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Volker F. Lanzenberger: „Wir müssen kreativ gestalten!“

Volker F. Lanzenberger: „Ein Armutszeugnis für unseren Berufsstand.“ Volker F. Lanzenberger: „Ein Armutszeugnis für unseren Berufsstand.“ Foto: Privat

Riesa/ Torgau. 15.7.2018  Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Volker F. Lanzenberger vom Kompetenzzentrum Riesa in der Hauptstraße 13/15 Steuerberater und Rechtsanwälte, warum er wegen Internet und Digitalisierung erhöhte Ansprüche auf seine Berufsbranche zukommen sieht.

SWB: Sie sind seit 1990 als Steuerberater in Torgau, mittlerweile auch in Riesa ansässig. Wo steht Ihre Branche anno 2018?
Volker F. Lanzenberger: Ich antworte mal mit einem Zitat des Naturforschers Charles Darwin: „Nicht die Stärksten überleben, sondern die, die sich am schnellsten anpassen können.“ Dieses Zitat des 1809 geborenen Naturforschers Charles Darwin ist aktueller denn je und fast eins zu eins auf die Steuerberaterbranche 2018 übertragbar.

Das bedarf einer näheren Erklärung!
Aufgrund der heutigen Situation, die sich großteils im Internet und im Gebrauch von Smartphons widerspiegelt, ist es auch für Steuerberater unabdingbar, sich durch Automatisierung und Digitalisierung an die veränderten Mandantenbedürfnisse anzupassen. Wir müssen uns als Steuerberater und Arbeitgeber mit der sich verändernden Lebens- und Arbeitssituation auseinandersetzen.

Wie äußern sich diese Anforderungen konkret?
Die Finanzverwaltung erhält alle Daten in digitalisierter Form, zum Beispiel vom Arbeitgeber bis zu Banken, Lebensversicherungen und vom Rentenversicherer. Diese Daten spielen für die Steuererklärung eine wichtige Rolle. Die Daten unserer Mandanten werden ebenfalls digitalisiert ans Finanzamt gesendet. Über moderne Prüfprogramme werden diese ausgewertet und in die Steuerveranlagung eingeführt.

Was heißt das für den Steuerberater?
Dass auch wir uns mit der modernen Datenverarbeitung ausein-andersetzen müssen und diese ebenfalls beherrschen sollten. In diesem Zusammenhang werden auch die Anforderungen an den Datenschutz in Zukunft einen größeren Raum einnehmen.

Wie sehen Sie die Zukunftsaussichten Ihrer Branche?
Aufgrund der immer komplizierter werdenden Verfahren und die damit verbundenen Anforderungen an den Unternehmer (Steuerpflichtigen) sowie die permanenten Gesetzesänderungen, neuen Verordnungen und Gerichtsurteile wird unsere Arbeit in Zukunft eher zunehmen. Es wird  eine gewisse Trennung in der Berufsgruppe Steuerberater stattfinden. Weg vom bisherigen Buchhalterberater, hin zum kreativen Gestalter. Wie ich immer sage: Steuern kann auch das Finanzamt ausrechnen. Wir müssen für unseren Mandanten jedoch kreativ gestalten!

Klingt aus Ihren Worten etwa Kritik heraus?
Ja, in der Tat. Wenn ein sogenannter Buchhaltungsberater zugunsten des Finanzamtes bucht, hat er weniger Aufwand in der Zusammenarbeit mit dem Finanzamt und erhält dafür auch noch ein höheres Honorar.

Können Sie das näher erläutern?
Ja, natürlich. Wenn ein Steuerberater ohne großen Aufwand die Fälle so behandelt, wie sie am einfachsten zu erledigen sind, erhält er sein Honorar aufgrund des höheren Einkommens. Wenn ich mich gemeinsam mit meinen Mitarbeitern mit dem Steuerthema zugunsten meines Mandanten eingehend auseinandersetze, um kreative Steuersparwege zu finden, so haben wir ein höheres Zeitaufkommen und ein niedrigeres Honorar, weil wir selbst durch die gesunkenen Gewinne/Einkommen unsere Honorare mindern.

Haben Sie dafür Beispiele in der Praxis?
Aber sicher. Ohne Namen zu nennen, kann ich folgende Erfahrungen weitergeben: Seit längerer Zeit muss ich etwa anlässlich von Fortbildungsmaßnahmen und dem damit verbundenen Gesprächsaustausch feststellen, dass sich eine immer größer werdende Zahl von Steuerberatern damit brüstet, bei Steuerprüfungen sogenannte „Null-Ergebnisse“ zu erreichen. Das heißt, ein Prüfer prüft mehrere Tage ein Unternehmen, um am Schluss festzustellen, es können keinerlei Steuern nachgefordert werden. Diese Berater buchen so finanzamtsfreundlich zugunsten der Staatskasse, dass selbst ein Prüfer nichts mehr finden kann. Wenn man darauf stolz ist, halte ich dies für ein Armutszeugnis unseres Berufsstandes.

Welche Veränderungen sehen Sie in Ihrem Beruf für die Zukunft?
Aufgrund der immer stärker werdenden Nachfrage nach Steuer- und Wirtschaftsberatung, drängen auch andere Berufsgruppen auf den Markt. In erster Linie sind hier zu nennen Rechtsanwälte, die von der Ausbildung jedoch in der Regel nicht geeignet sind, den steuerberatenden Beruf auszuüben, aber laut ihrer Berufsordnung die Erlaubnis zur Steuerberatung haben, ohne entsprechend qualifiziert sein zu müssen. Von übernommenen Mandaten aus der vorgenannten Berufsgruppe musste ich feststellen, dass die Buchhaltung und die Jahresabschlüsse teilweise katastrophal erstellt wurden und zu erheblichen steuerlichen Nachteilen für den betroffenen Mandanten führten.

Kann man daran etwas ändern?
Leider nein. Rechtsanwälte müssen ihre steuerliche Qualifikation nicht explizit nachweisen und dürfen auch Steuerberatung ausüben.

Wie sehen Sie die Zukunft Ihrer Branche insgesamt?
Wenn man sich mit den Anforderungen, die die Zukunft bringt, auseinandersetzt, so wird man in diesem Beruf mit Sicherheit erfolgreich tätig sein können. Wichtig sind hoch qualifizierte und motivierte Mitarbeiter, die den Erfolg mittragen. Nicht zu vernachlässigen ist die Ausbildung von Nachwuchskräften, um den Berufsstand zu sichern. Wir selbst bilden sowohl in Torgau als auch in Riesa Lehrlinge aus. Dies garantiert auch für die Zukunft den Fortbestand unserer Firma. Aufgrund der stetig steigenden Ansprüche des Finanzamtes, der Sozialversicherung, der Rententräger und Banken, um nur einige zu nennen, sehe ich trotz Digitalisierung und Internet erhöhte Ansprüche auf unseren Berufsstand zukommen.


Gespräch: H. Landschreiber