SWB-Schlösser-Tour 2010
27. Juni 2010 in Wurzen
Eine spätgotische Residenz an der Mulde

Schloss Wurzen, eine spätgotische Residenz an der Mulde.
Der Herold des Wurzener Schlosses ruft und die SWB-Leser kommen. Das jedenfalls ist die Grundidee der Auftaktveranstaltung des ersten „SWB-Schlösser-Sommer“ am Sonntag, dem 27. Juni, ab 10 Uhr auf Schloß Wurzen. Und egal, ob die Leser nun aus dem brandenburgischen Bad Liebenwerda, aus Delitzsch, Eilenburg, Grimma, Oschatz, Riesa oder Torgau kommen, eines eint sie alle: Keiner benötigt mit dem Auto mehr als 75 Minuten bis zur Domstadt an der Mulde. Wer sich nun allerdings auf seinen Ausflug vorbereiten möchte, indem er vielleicht wie sonst auch einen älteren Kunstführer zur Hand nimmt, oder in einer Kiste mit DDR-Reiseliteratur kramt, der wird so seine Schwierigkeiten bekommen, denn ein wirklicher Geheimtip ist das Schloß gerade einmal seit 5 Jahren.
Um das Jahr 2000 suchte die Stadt Wurzen einen neuen Eigentümer für das direkt neben dem Dom gelegene alte Schloß der Meißner Bischöfe. Ein voll möbliertes Schloß für eine D-Mark? Das riecht zunächst nach einem Schnäppchen, relativiert sich aber schon beim Blick auf die Möbel: zweckdienliche Büromöbel aus der Schlußphase einer langen Zeit, in der hier im Schloß die Bürokratie waltete. Nachdem Johann IX. von Haugwitz, der letzte Bischof von Meißen, im Jahre 1581 abdankte, war das Schloß ab 1586 bis eben um das Jahr 2000 Sitz des Amtes, Amtsgericht und Polizei. Sozusagen ein Schloß, daß man vor der Jahrtausendwende doch lieber von außen sah.
Noch heute läßt sich der Amtsschimmel vergangener Tage in den noch nicht restaurierten Teilen des Schlosses mühelos nachvollziehen. Triste graue Räume, blätternde Farbe, Neon-Leuchtstoffröhren oder alte Bürotechnik sind während der Führungen zu erleben, sogar Gefängniszellen gibt es noch. Wer kauft so ein Gemäuer, und verpflichtet sich mit dem Kaufvertrag, über 2 Millionen Euro in den kommenden Jahren zu investieren?
Die Antwort auf diese Frage führt nicht in den Westen. Die Brüder Ronny und Sirko Wedekind, beide in Wurzen geboren und beide bereits vor Ort als Gastronomen tätig, waren um 2000 auf der Suche nach etwas Besonderem. Damals brauchte es gewiß nicht wenig Phantasie, um im alten Wurzener Schloß das Besondere zu erkennen, einmal abgesehen von der angedachten Investitionssumme. Und doch kauften die damals Mitte Zwanzigjährigen dann im Juni 2002 das Schloß ihrer Heimatstadt für den doppelten Preis denn aus der einen D-Mark war schon ein Euro geworden.
Der Herold des heute als Restaurant und Hotel genutzten Schlosses, der die SWB-Leser am kommenden Sonntag durch die einstige Bischofsresidenz führen wird, das ist Ronny Wedekind, der jüngere der beiden Brüder. Stolz schwingt in seinen Worten mit, wenn er von seinem Schloß und dessen Geschichte erzählt. Davon beispielsweise, daß das Wurzener Schloß neben der Albrechtsburg zu Meißen zu den ältesten erhaltenen Schlössern überhaupt im deutschsprachigen Raum gehört. Oder von Bischof Johann VI. von Saalhausen als dem Bauherren des Gemäuers, dessen ursprüngliche Raumaufteilung gerade durch die nicht private Nutzung in den folgenden Jahrhunderten und dem daraus einst wie heute resultierenden Geldmangel noch weitestgehend im Original erhalten ist.
Dieses Original sieht richtig gut aus. So gut, daß sich immer mehr Brautpaare im früheren Gerichtssaal mit dem herrlichen Netzzellengewölbe ihr Ja-Wort geben und anschließend im Festsaal so richtig feiern. So gut, daß sich der Besucher während der Führung gar manches Mal die Frage stellt, was die aufwendige Restaurierung zusammen mit dem passenden Inventar bisher wohl gekostet haben mag. Natürlich harren manche Räume noch ihrer Restaurierung, allein für einen kleinen Raum mit Weinlaubmotiven an den Wänden sind knapp 80.000 Euro veranschlagt. Andererseits sind es aber gerade auch die Wendeltreppen mit Brandspuren vom Brand des Jahres 1631, die diesem Schloß Leben geben und es wohltuend von der Sterilität musealer Vorstellungen des 21. Jahrhunderts abheben.
Das umfangreiche Rahmenprogramm am kommenden Sonntag auf Schloß Wurzen beinhaltet auch mehrere, etwa 30minütige, reich bebilderte Vorträge vom Oschatzer Heimatautor Robert Schmidt zum Thema „Das Zeitalter des Schlosses zu Wurzen im Abendrot des Mittelalters vor 500 Jahren“. Vor mehr als 500 Jahren errichteten begabte Meisterhände neben dem Wurzener Dom ein wahres Kleinod spätmittelalterlicher Architektur das spätgotische Schloß zu Wurzen als Residenz der Meißner Bischöfe. Was genau passierte sonst noch so in der Region zwischen Elbe und Mulde am Ende des Mittelalters vor etwa 500 Jahren? Das „Abendrot des Mittelalters“ das ist die Zeit unzähliger Steinkreuze und ihrer Geschichten, die Zeit der letzten Ritter, die Zeit neuer Schloßbauten als Ablösung der bisherigen wehrhaften Burgen und am Ende auch die Zeit der Reformation.
Die Vorträge sind lediglich ein kleiner Bestandteil des umfangreichen Angebotes auf Schloß Wurzen an diesem Tag von 10 bis 18 Uhr. Der Eintrittspreis von nur 4 Euro pro Person enthält nicht nur die Schloßführungen sowie ein kostenloses Getränk, sondern neben den genannten Vorträgen auch Führungen und Turmbesteigungen im benachbarten Dom der Muldenstadt.
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11. Juli 2010
Schloß Triestewitz bei Torgau

Die einst zum Schloss gehörige Kirche Triestewitz bot den Besuchern einen Einblick das Leben vor 200 Jahren. Alexandra Krause, Tochter der Familie Pawlik, erläuterte Vergangenheit und Gegenwart der heutigen Gemeindekirche.
Die nächste Station des SWB-Schlösser-Sommer 2010 ludt die SWB-Leser in die flache Elblandschaft bei Torgau ein. Hinter hohen Bäumen versteckt, am Rande einer idyllischen Parklandschaft etwa 8 km östlich von Torgau gelegen, ruhen die gewaltigen Mauern von Schloß Triestewitz.
Wer vor dem Schloß steht, erkennt wohl auf Anhieb, daß es sich hier um eine wirklich alte Anlage handelt. So wird angenommen, daß der heute noch im Hause erhaltene Wehrturm schon vor etwa 1.000 Jahren als Bestandteil der ursprünglichen Grenzsicherung an der Elbe gegen die Slawen gedient haben könnte.
Als eine Grenzsicherung gegen die brandenburgischen Nachbarn versteht sich Schloß Triestewitz aber heute nicht mehr, denn auch Gäste von dort nutzen die im Schloß heute vorhandenen Ferienwohnungen. Noch vor 15 Jahren wären sie allerdings beim Anblick des Gemäuers stehenden Fußes wieder umgekehrt, denn Schloß Triestwitz bot damals ein trauriges Bild. Der alte Schloßturm war bereits 1965 abgebrochen worden. Die Nordostwand hatte im Laufe der Zeit ein „Eigenleben“ entwickelt und war auf „Wanderschaft“ gegangen. Ihr langsames Absacken in den einstigen Schloßgraben bedeutete gewaltige Risse in den Innenwänden, durch die sich die letzten Bewohner schon einmal die Hand reichen konnten. Nachdem dann die Türen vernagelt und die Fenster an der Nordostwand zerstört waren, suchte die Gemeinde ab 1993 für das verwunschene Schloß mit seinem reichhaltigen Pflanzenangebot, das von Moos bis hin zu kleinen Bäumen reichte, einen neuen Besitzer.
„Schloß mit Geschichte möchte nicht Geschichte werden“ so könnte man die damalige Situation umreißen. Und Schloß Triestewitz atmet Geschichte. Schon 1251 saßen hier die Ritter von Triestewitz. In der Folge hinterließ die Hand der Zeit auch am Schloß Triestewitz ihre Spuren. Immer mal wieder wurde gebaut, gelegentlich brannte es auch, und die verschiedenen Lebensansprüche der Besitzer sorgten letztendlich dafür, daß sich hier Bauteile aus verschiedenen Zeitepochen harmonisch miteinander verbanden. Auch bedeutende Gäste hat das Gemäuer im Laufe der Jahrhunderte beherbergt. So übernachtete hier in den Tagen vor und nach der Schlacht bei Torgau im November 1760 gleich mehrfach der Oberbefehlshaber der österreichischen Armee, Generalfeldmarschall Leopold Graf Daun. Und für ein solches Gemäuer sollte sich keine schützende Hand finden?
„Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagt Monika Pawlik ohne nachzudenken, und ihr Mann nickt dazu. Im Jahr 1995 betraten sie erstmals die alte Wasserburg, und auch wenn der ehemalige Herrensitz mehr als 1 DM kostete, bestand für sie kein Zweifel: Das wird unser Schloß. Noch vor Abschluß des Kaufvertrages begannen die ersten Arbeiten, und seit 1998 haben die alten Mauern zahlreiche Feriengäste, Hochzeiten, Familienfeiern oder Klassentreffen aufgenommen.
Das umfangreiche Rahmenprogramm am kommenden Sonntag auf Schloß Triestewitz beinhaltet u.a. um 11.15 Uhr, 13.45 Uhr und 16.15 Uhr auch mehrere, etwa 30minütige, reich bebilderte Vorträge vom Oschatzer Heimatautor Robert Schmidt zum Thema: „Das Duell die Schlacht bei Torgau am 3. November 1760“.
Es war das Duell des 7jährigen Krieges der preußische König Friedrich der Große gegen den österreichischen Generalfeldmarschall Leopold Graf Daun. Wechselndes Glück ließ beide Seiten mehrfach sowohl Siege als auch Niederlagen erleben, und Torgau bildete das Finale dieses Duells, wie es spannender nicht hätte sein können. Im reich bebilderten Vortrag werden anhand von etwa 10 verschiedenen Originalkarten noch einmal die Ereignisse vor 250 Jahren so dargestellt, wie sie die knapp 100.000 Soldaten seinerzeit erlebten.
Im Eintritt von 4 Euro pro Person sind neben den genannten Vorträgen auch Schloßführungen (10.30 Uhr, 13.00 Uhr und 15.30 Uhr) durch Frau Pawlik sowie ein kostenloses Getränk enthalten. Bei gutem Wetter werden zusätzlich um 14.30 Uhr sowie bei Bedarf auch um 16 Uhr Führungen (pro Person 2 Euro extra) durch den schönen Triestewitzer Landschaftspark angeboten für die Leser des SWB zu erleben am kommenden Sonntag von 10 bis 18 Uhr.
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25. Juli 2010
Auf zum Schloß Leuben

Am Nachmittag schmeckten Kaffee und Kuchen an den Tischen auf der Schloßinsel besonders gut.
Der nächste Termin des SWB-Schlösser-Sommer 2010 führte am 25. Juli die SWB-Leser in ein Dorf fünf Kilometer südlich von Oschatz nach Leuben. Die Geschichte von Schloß Leuben, wie wir es heute kennen, beginnt im Jahre 1698, als Hans Gottlieb von Thielau den Vorgängerbau von den Grafen von Taube erwarb. Bis zur vollständigen Fertigstellung des neuen Barockschlosses sollten noch etwa 70 Jahre vergehen. Gerade in seinen frühen Jahren hat das Schloß den Hauch der großen weiten Welt gespürt, denn auf der von 1726 bis 1803 durch Leuben führenden Poststraße reisten Fürsten und Könige, Dichter und Komponisten. Es wirkt wie eine Ironie des Schicksals, daß gerade zu der Zeit, als um 1770 die Bauarbeiten an Schloß Leuben vollendet waren, sich Sachsens Glanzzeit in Folge des verheerenden 7jährigen Krieges ebenfalls vollendet hatte. So blieb Leuben bis 1945 ein beschauliches Landschloß, später gab es hier einen Kindergarten, eine Konsumverkaufsstelle und Wohnungen. Die bauliche Situation des Schlosses verschlechterte sich dann immer mehr, und bereits 1974 mußte Schloß Leuben baupolizeilich gesperrt werden.
Vor fast genau neun Jahren zeigte das SWB am 5. August 2001 im Rahmen eines Wandervorschlages als Bildmotiv ein vermeintlich dem Untergang geweihtes Schloß Schloß Leuben bei Oschatz. Ein echtes Dornröschenschloß mit freiliegendem Dachstuhl, verwunschen hinter zahlreichen Bäumen auf der nur noch mit Mühe erkennbaren Schloßinsel. Dabei hatte das Schloß seinerzeit sogar einen „Investor“ als Eigentümer, und große Pläne geisterten immer mal wieder durch die Öffentlichkeit. Deren Umsetzung sah das barocke Gemäuer allerdings nie, und so nahm die Natur immer mehr Besitz vom Areal.
Hilfe für das Schloß kam in Leuben auf eine sehr ungewöhnliche Weise: Einwohner des Dorfes gründeten am 11. November 2004 den „Leubener Schloßverein e.V.“ und kauften dem „Investor“ das Schloß für einen nicht mehr kleinen Betrag ab, um das Wahrzeichen von Leuben vor dem endgültigen Verfall zu bewahren. Keine großen Firmen oder Sponsoren, auch keine Behörden steuerten beim Kauf die Mittel bei, sondern Menschen wie die Leser dieses Beitrages wollten etwas für „ihr“ Schloß tun. Nicht nur mit Worten, nicht nur mit Geld, sondern in der Folge auch mit Tatenkraft und Engagement.
Schubkarre für Schubkarre wurden Schutt und Dreck aus dem Schloß geräumt, die wildwachsenden Bäume gefällt, und bereits zehn Monate nach Vereinsgründung blinkte ein neues rotes Dach von der Schloßinsel. Über 50 Mitglieder zählt der Schloßverein heute, und auch wenn es im noch unsanierten Schloß selbst nur Schritt für Schritt vorangeht mit so viel Leben in barocker Gewandung sind nicht viele sächsische Schlösser gesegnet.
Das umfangreiche Rahmenprogramm am kommenden Sonntag auf Schloß Leuben beinhaltet u.a. um 11.00 Uhr, 13.45 Uhr und 16.00 Uhr auch mehrere, etwa 30minütige, reich bebilderte Vorträge vom Oschatzer Heimatautor Robert Schmidt zum Thema: „Schloß Leuben und sein historisches Umfeld im 18. Jahrhundert“. Die Entstehungsgeschichte des Leubener Schlosses könnte auch heute geschrieben worden sein. Ein „Investor mit Insiderwissen“ kauft einen abseits gelegenen Landsitz, und „rein zufällig“ beginnt nur wenige Monate später die große Zeit der Parforcejagd im benachbarten Wermsdorfer Wald. In der Folge wird dann nach dem Bau der Hubertusburg die Poststraße von Dresden nach Leipzig etwas weiter südlich verlegt und führt plötzlich mitten durch Leuben ... Im Rahmen der Vorträge liegt eine Überraschung in der Luft, denn eine prominente Dame der Barockzeit hat ihr Erscheinen zumindest angekündigt ...
Die Geschichten, die sich auf Schloß Leuben selbst im Laufe der Jahrhunderte ereigneten, sind ebenso hörens- und sehenswert. Im Eintritt von 3 Euro pro Person sind nicht nur die genannten Vorträge enthalten, sondern auch eine Tasse Kaffe oder Tee unter einer schattigen Linde sowie auch die von barock gewandeten Damen und Herren des Schloßvereins umrahmten Schloßführungen (u.a. 10.15 Uhr, 13.00 Uhr und 15.15 Uhr) für die Leser des SWB zu erleben am kommenden Sonntag von 10 bis 18 Uhr.
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8. August 2010
Schloß Jahnishausen bei Riesa

Peter Griepentrog (l.) vom Verein Accademia Dantesca konnte den Besuchern viele Einzelheiten zur Schlossgeschichte und den umfangreichen Arbeiten zur Erhaltung der Gebäude erläutern.
(SWB/RS) Nach dem ersten Termin des SWB-Schlösser-Sommer 2010 unter „regulären“ Witterungsbedingungen am vergangenen Sonntag in Leuben, wo über 500 Leser begeistert den jeweils knapp 10 Führungen und Vorträgen lauschten, entführte das SWB am 8. August seine Leser noch ein letztes Mal in diesem Sommer nach Jahnishausen.
Während aus der Frühzeit des Ortes nur wenige historische Nachrichten überliefert sind, erwarb die Familie von Schleinitz um 1430 das damalige Dorf Watzschwitz und fügte es zunächst dem Rittergut Seerhausen hinzu. Als Folge einer Erbteilung entstand um 1500 in Abspaltung von Seerhausen ein neues Rittergut, und der bisherige Ortsname Watzschwitz wandelte sich zu Jahnishausen, benannt nach seinem neuen Besitzer Jahn von Schleinitz.
Nach zahlreichen Besitzerwechseln in der Folge übernahm 1796 ein Graf von Hopfgarten das Anwesen. Auf den am sächsischen Hofe wirkenden Grafen geht weitgehend das schlichte, aber elegante Erscheinungsbild des heutigen Gebäudeensembles des Rittergutes zurück. Seine Verbindung zum sächsischen Hof war vermutlich auch die Ursache dafür, daß der sächsische Prinz und spätere König Johann im Jahr 1824 das Rittergut Jahnishausen seinem Besitz hinzufügte. Hierhin zog sich das sächsische Königspaar zurück, wenn es die steife Etikette des Dresdner Hofes hinter sich lassen wollte, hier widmete sich König Johann auch seinen Dante-Studien.
Die Wettiner hielten diesen Besitz bis zur Enteignung 1945, und die Legende von einem versteckten Wettinerschatz geistert noch heute immer mal wieder durch die alten Mauern. Danach beherbergte das Schloß u.a. einen Kinderhort, den Kindergarten und die Hebamme des Dorfes. In Folge eines bereits 1970 stattgefundenen Schornsteinbrandes sowie dem Leerstand ab 1990 wandelte sich das einstige Königsschloß zu einem ruinösen und verwilderten Anwesen. In diesem Zustand stand es im Jahr 2001 bei einer Versteigerung zum Verkauf.
Neuer Besitzer ist eine Genossenschaft, deren Mitglieder weder gemeinsame politische oder religiöse Ansichten eint, sondern die hier in der Verbindung von Individualismus und Gemeinschaftlichkeit einen Lebenstraum und damit auch das alte Rittergut mit Leben erfüllen. Heute leben hier 35 Menschen, die sich die Verantwortung vor Ort teilen und auch in anderen Bereichen des Lebens Gemeinschaftsbeziehungen pflegen und schätzen. Mit reichlich Engagement ist ein Teil der Gebäude in neuer Schönheit wiederstanden, wenngleich speziell das eher unscheinbare Schloß immer noch einer Restaurierung harrt.
Die Wiederherstellung dieses Kulturdenkmals ist das Ziel des Kulturvereins Accademia Dantesca Jahnishausen e.V., der am 8. August gemeinsam mit der „Gut Jahnishausen e.G.“ auch Gastgeber des bereits seit mehreren Jahren durchgeführten „Tages der ländlichen Residenzen“ ist. So werden den Besucher auch historisch gewandete Damen und Herren u.a. aus den ländlichen Residenzen in Dahlen, Hof, Lampertswalde oder Leuben begrüßen.
Das umfangreiche Rahmenprogramm am kommenden Sonntag auf Schloß Jahnishausen beinhaltet u.a. auch mehrere reich bebilderte Vorträge (u.a. 11.00 Uhr, 13.30 Uhr und 16.00 Uhr sowie nach Bedarf) des Oschatzer Heimatautors Robert Schmidt zum Thema „Auf den Spuren der Familie von Schleinitz“. Der bebilderte Vortrag führt neben einem kurzen Überblick über das einst zum Besitz der Familie von Schleinitz gehörende Gebiet vor allem in die Orte der Region um Oschatz und Riesa, wo heute noch Bauwerke, Denkmäler oder Malereien von Kunstverstand und Reichtum der einstigen Auftraggeber zeugen. Über manch ein Denkmal läßt sich dabei durchaus streiten, wie ein überraschender Besuch einer Dame der Zeitgeschichte deutlich machen wird ...
Im Eintritt von 3 Euro pro Person sind nicht nur die genannten Vorträge, sondern auch die Schloßführungen (in der Regel zur vollen halben Stunde ab 10 bis 17 Uhr) sowie eine Tasse Kaffe oder Tee enthalten. Bei gutem Wetter werden zusätzlich (Terminaushang vor Ort) Führungen durch das Gut und den Schlosspark angeboten für die Leser des SWB zu erleben am kommenden Sonntag von 10 bis 18 Uhr.
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