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Haben die Heuschrecken ein Feld leer gefressen ziehen sie zum nächsten weiter. So, oder ähnlich hatte sich das auch mal die Menschheit gedacht. Irgendwann finden wir einen bewohnbaren Planeten und ziehen einfach um. Jetzt hat uns die Realität eingeholt. ...

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Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan.
(Goethe: Faust II, Verse 12 110 und 12 111)

Gretchen-Monolog 2010

Ach, Faust, sieh mich nicht so verwundert an!
Ich weiß, was mich nach meinem Willen treibt:
Ich habe schon zu viel für dich getan,
dass mir zu tun allein nur das noch bleibt.

Mein lieber Faust,
Arm und Geleit und schöner Schmuck -
hast du mir weiter nichts zu bieten?
Am besten ist's,
ich nehme dich beim Wort;
du sagtest mir:
Ein Blick von mir, ein Wort mehr unterhält
als alle Weisheit dieser Welt.
Nun gut, ich geb dir sogar mehr,
mehr als ein Wort,
ich geb dir ein paar Sätze:

Mein lieber Heinrich,
ich weiß nicht mehr, was mich da trieb,
dir blind und hörig beizuliegen,
war es auch manchmal schön
und schien mir's gut und lieb.
(Verzeih, wenn ich an vielen Stellen
die klassischen Worte mit meinen vermenge!)

Und noch eins, lieber Heinrich:
Wie willst du mich erlösen,
da ich mich selber aufgerafft?
Denn: Meine Ruh ist hin,
doch ist mein Herz nicht schwer,
wie anno vormals geht es nun nimmermehr.

Manfred Allner, Strehla

Nur kein Theater

Einst träumte ich mich in fremde Rollen,
in eine Welt, die nicht die meine war.
Als Heidi auf der Alm herumtollen,
gar Prinzessin zu sein - wie wunderbar!

So geschah es mir immer, wenn ich las -
am Tag und auch nachts bei schwachem Lichte.
Während ich alles um mich her vergaß,
lebte ich nun in dieser Geschichte.

Doch als ich aufhörte, ein Kind zu sein,
erwachte ich schnell aus meinem Träumen.
Denn die Flucht ins Fantasie-Reich hinein
lässt wirkliches Leben leicht versäumen.

Meine Rolle kam mir nun in den Blick -
mir selbst zugedacht und aufgegeben.
Ich erkannte in ihr auch mein Geschick,
das zu tragen ist in diesem Leben.

Nicht spielen möchte ich diese Rolle,
nur kein Theater damit veranstalten.
Dass ich ihr gerecht werde, Respekt zolle,
immer ich selbst bin - mög's Gott doch walten!

Jahre und Jahrzehnte zogen ins Land.
Meiner Rolle galt doch mein Bestreben.
Ach, um sie zu erlernen, ich verstand,
dazu braucht's ein ganzes, langes Leben!

Doris Lehnert, Torgau

Naturtheater

Was ist Theater?
Theater ist Leben wie in der Natur,
Freude beim Wachsen und Blühen,
Lust auf Gartenarbeit pur.

Theater ist Freude beim Wachsen der Blumen,
beim Schwimmen der Fische im Teich,
beim Ernten der Früchte vom Baume
in meinem kleinen Gartenreich.

Theater ist Freude und Tränen,
wenn man sich zu freuen getraut.
Theater ist Liebe und Hoffnung,
wenn man auf jemanden baut.

Das ganze Leben ist ein Theater,
das bei der Geburt beginnt.
Man bleibt schließlich für Mutter und Vater
ja doch das ewige Kind.

Kerstin Blumensaat, Bad Schmiedeberg

Klärendes Naturschauspiel

Mit wilden Winden wirft das Meer
Wucht´ge Wogen an den Strand.
ich fühl mich ohne dich so leer,
Bin ruhelos und angespannt.

Und in den Dünen sitze ich,
Der Sturm zerzaust mein Haar.
Pausenlos denk an dich,
Wie schön es mit dir war.

Da zuckt ein Blitz, der Donner kracht,
Reißt die Gedanken fort.
Ich starre in die dunkle Nacht
Und finde noch kein Wort.

Aus schweren Wolken stürzt die Flut.
Der Regen macht mich nass.
„Vielleicht wird alles wieder gut",
Denk ich, „wie schön wär das".

Doch plötzlich hört der Regen auf.
Der Donner ist verhallt.
Und ich erhebe mich und lauf
Nach Haus und finde wieder Halt.

Und dann wird auch der Himmel klar.
Mich trifft der Sonne Schein.
Bestimmt wird es, wie´s früher war,
Dann bin ich nicht allein.

Hans-Joachim Albrecht, Torgau

Show meines Lebens

Vorhang auf für die Bühne des Lebens!
Lichter an: Schaut, hier bin ich!
Gefühle sucht man leider vergebens.
Nein, mein Innerstes zeige ich nicht.

Ihr könnt mich sehen, könnt mit mir reden
und glaubt, ihr würdet mich kennen.
Ihr könnt mit mir Abenteuer erleben,
sogar „Freund" könnt ihr mich nennen.

Doch hinter die Maske lasse ich keinen,
alles Theater, alles nur Show.
Auch wenn ich lache ist mir oft zum Weinen.
Vielleicht ist mein Leben eben so.

Doch dabei geht's mir trotzdem gut,
hab Kinder und auch einen Mann.
Zum Leben braucht man halt ganz viel Mut
und jeder zeigt, was er mag und kann.

Solveig Löbbe, Torgau


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