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Der „Dichterwettstreit 2009“
Ihres SonntagsWochenBlattes
Ich
(zum 75. Geburtstag 2008)
Guten Morgen!
Etwas müde noch, na ja, das gibt sich,
schließlich bin ich Fünfundsiebzig!
Wo sind sie hin, die vielen Jahre,
grau geworden sind die Haare!
Das Knie, das zwickt oftmals Laufen,
es ist manchmal zum Haareraufen!
Der Kopf schmerzt nach zwei Schnäpsen trinken,
mit dem linken Beine muss ich hinken,
der Knöchel tut auch manchmal weh,
oft zieht es mir im großen Zeh.
Beim Zwiebelessen und bei Lauch,
da drückt es mich im Oberbauch.
Das Rheuma und das Zipperlein,
die suchen die Gelenke heim.
Die Hämorrhoide brennt manchmal
das gibt sich und ist mir egal.
Der Blutdruck ist weil übergewichtig
etwas zu hoch, also nicht richtig.
Von den Zähnen nichts zu sagen,
ich kann sie in den Händen tragen
Schnarchen, dass die Hauswand zittert,
der Nachbar denkt, es hat gewittert.
Auch abwärts geht es mit den Augen,
da sie nichts ohne Brille taugen.
Auch hübsche Mädchen sehe ich gerne,
am allerliebsten von der Ferne.
Statt in Hawaii am Strand zu surfen,
fahr ich ins Heilbad Wasser schlürfen.
Nach jedem Bier ruft man hurra
es lebe hoch die Prostata!
Vergesslichkeit? Von Fall zu Fall,
doch öfters bei dem Hosenstall.
Im Finger steckt nun mal die Gicht.
Sonst geht mir’s gut und mir fehlt nischt.
Wolfgang Wiesner, Brandis
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Meine Spur auf heimischen Treppenstufen
Am Anfang unüberwindliches Hindernis.
Ein Gitter aus Holz versperrt das Auf und Ab.
Kindlicher Tatendrang siegt über mütterliche Vorsicht.
Eroberung der Stufen auf allen vieren.
Das selbstständige Hinaus erster Schritt in die Unabhängigkeit.
Tripp trapp, tripp trapp, langsam und bedacht.
Die Hände Hilfe suchend am Geländer.
Tag für Tag ein wenig sicherer und schneller.
Schließlich hinauf und hinunter flink wie der Wind.
Wildes Getrappel zum Kindergeburtstag.
Trotziges Hochpoltern mit vierzehn.
Hochhackige Schuhe klappern in die Welt: Ich bin erwachsen!
Erste Liebe Heimlichkeit auf vier leisen, bunten Socken.
Im Kopf tausend Pläne.
Zwei Stufen auf einmal Prüfung bestanden!
Großer Auftritt in Weiß.
Nachdenklich.
Neben mir, lachend, Partner und Weggefährte.
Vor mir Blumenstreukinder.
Zaubern romantisches Flair ins Treppenhaus.
Gleichmaß der Schritte Jahr um Jahr.
Begleitet von Lachen und Weinen,
Erfolgen und Enttäuschungen. Doch niemals ohne Hoffnung und Ziel.
Am Podest halte ich inne zum Atemholen und Nachdenken.
Vertrautes Auf und Ab aus festem Eichenholz,
kennst alle meine Schritte.
Lass uns die ausgetretenen Stufen sorgfältig wieder herrichten
und das Geländer schmücken mit Frühlingsblumen!
Einmal schließt sich der Kreis.
Irgendwann wirst du wieder zum unüberwindlichen Hindernis.
Wie viel Zeit bleibt mir noch?
Renate Bartsch, Delitzsch
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„ICH“
Mit diesem Vers versuche ICH,
zu buchstabieren das Wort „ICH“.
ICH ist Illusion und Ideal.
Manches ICH hat keine Wahl.
ICH sind Impulse und Ideen,
viele ICH`S kann man öfter sehn.
ICH ist Ironie und Ignoranz.
Manches ICH versteht das nicht ganz.
ICH ist intim und Intrige,
manch ICH denkt, es wäre Liebe.
ICH ist clever, chic und cool.
ICH ist mit Ideen voll.
ICH ist Clip, Clou und Clan,
manch ICH hat seine Chance vertan.
ICH ist Charme und Casanova,
dieses weiß sogar die Oma.
ICH ist Cherry und auch Chianti,
manches ICH sagt danach avanti.
ICH ist Happy, Hit und Hey.
Jedes ICH ist voll dabei.
ICH kann sein Horror und Hass.
Manch ICH verliert dabei das Maß.
Ich ist Heimat und Zuhaus.
Alle ICHs ruhn dort nach der Arbeit aus.
ICH ist Hurra und auch Hallo,
liebe ICHs, macht weiter so.
ICH, wie ihr seht, kann alles sein.
ICH kann vielfältiger nicht sein.
Trotz aller Namen und auch Worte,
ICH steht immer auch an allen Orten.
Wenn man übers ICH auch spricht,
bleibt das ICH doch immer ICH.
Erika Maschek, Elsterwerda
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Jagdliebe
Ich lieb die grünen Wälder,
der kleinen Sänger Sang.
Ich lieb die güld´nen Felder,
die Heckenros am Hang.
Ich lieb der Amsel Schlagen,
des Bussard´gellend Schrei.
Im grünen Rock zu jagen,
auf Jagd, da bin ich frei.
Ich lieb den Wind am Morgen,
den Sonnenuntergang.
Es fliehen mir die Sorgen,
hör ich der Lerche Klang.
Ich lausch der Frösche quaken,
hab meine Freud dabei,
im grünen Rock zu jagen,
auf Jagd, da bin ich frei.
Ich lieb der Füchse bellen,
in heller Vollmondnacht.
Das Gelbkehlchen zu stellen
in winterlicher Tracht.
Im Alter will ich sagen:
„Horrido, ich bleib dabei;
im grünen Rock zu jagen,
auf Jagd, da bin ich frei.“
Thomas Engert, Schmannewitz
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