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Na, dann wollen wir Sie mal abhören, hat früher der Arzt immer gesagt. Heute sagt das der Verfassungsschutz. Der sieht nämlich rot. So rot, dass er sogar Mitglieder der Linken im Bundestag abhört oder, wie es offiziell heißt, beobachtet. …

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Der „Dichterwettstreit 2009“
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Mein langer Weg zum ICH

Da sitze ich nun, ein Mensch,
eingepfercht in Zwänge und Regeln,
mit selbst auferlegten Ketten,
auf der Suche nach mir.

Zu feige, den Mob der
Gleichgültigkeit zu durchbrechen.
Zu ängstlich, vor den anklagenden Blicken
der ewigen Spießbürger zu bestehen.

Zu sanftmütig, sich gegen     
spitze Zungen zu wehren.
Und doch bei der Frage:
Wer bin ich?

Spüre ich da nicht schon
ein verzweifeltes Aufbegehren,
einen immer stärker werdenden
Ruf nach Freiheit?

Keimt da nicht Gleichgültigkeit
gegen verständnislose Blicke?
Wächst da nicht der Wunsch,
die Ketten zu durchbrechen?

Ich bin immer noch
auf der Suche nach mir.
Und eines Tages habe ich
den Mut, ich selbst zu sein.

Allen hinter verstohlener Hand
murmelnden Stimmen zum Trotze,
reift in mir der Ruf nach der Freiheit,
allein DAS zu tun, was ICH für richtig halte…

Antje Koller, Nerchau

Kinderjahre

Unter einem blühenden Kirschbaum ward ich geboren,
zart, schön, ein bisschen wie verliebt und ungeschoren.
Meine Mutter hatte mich in ihrem Arm, beschützend und wohlig warm.
Ich zähl die Stunden bis zu diesem Tag,
an dem ich geboren war und wart.

Ich hab ein Lächeln im Gesicht und sollt es auch verschwinden,
werd ich es eines Tages wiederfinden.
Die Zeit, die Zeit, wie sie verging – ich erinnere mich,
als ich noch ein Baby, zart und far,
jetzt eine junge Mutter
unbeschwert und glücklich
zwischen meinen Kindern, stolz, dass ich sie haben kann.

Was erzählt man sich über Frühlingsgefühle?
Ist es doch recht, da es die Natur so will.
So gib jedem Kind, das so geboren, Lebensmut und Liebe
und achte, dass es niemals Unglück vor sich herschiebe.

Ich, nun alt und grau,
zerknittert von den Falten und schon ganz flau.
Ich lebe die Zukunft, ich lebe das Leben,
so wie man es mir hat gegeben.

Ich geb mich nie auf und ich bezwing mich nie,
bleib ich selbst, wenn ich frier.
Ich denk heute noch daran, wie ich auch war.
Lass mich fallen in Erinnerungen,
bis ich mich hab herab geschwungen.

So zähl ich auch die Tage wieder,
meine Familie ist mir umso lieber.
Und zähl ich auch meine letzten Stunden,
so hab ich auch damit Glück empfunden.

Franziska Schütz, Röderland/Reichenhain

Einfach ich

Da sitze ich und frag mich nun,
was schreibe ich nur über mich?
Wie sieht sie wohl aus die Reise
in mein eigenes ich?

Und während ich noch grüble,
da zieht es an mir vorbei,
mein Leben und mein Schicksal,
nun es sei, wie es sei.

Viele Sorgen, noch mehr Kummer,
viele Schmerzen, großes Leid,
all das musste ich schon erfahren
in der vergangnen Lebenszeit.

Doch trotzdem bin ich Mensch geblieben,
manchmal verzweifelt, oft geweint,
aber niemals den Kampf aufgegeben,
solang noch ein Funke Hoffnung scheint.

Ich bin, wie ich bin,
mal traurig, doch meist fröhlich drauf.
Viel zu oft wohl schon gefallen,
stand ich doch immer wieder auf.

Ich bin nun einmal nicht bereit,
nur so einfach aufzugeben.
Dafür hänge ich schon immer
viel zu sehr an diesem Leben.

Die Welt ist einfach viel zu schön,
wie viel Bitteres die Zeit auch bringt.
Ich sehe ihn auch heute noch,
den bunten Schmetterling im Sommerwind.

Das  Lächeln, das ein Kind mir schenkt,
die Blume, die am Wegrand blüht.
Kann es denn etwas Schöneres geben,
als dass man all diese Dinge sieht?

Ich bin eben einfach ich
und hab ein Lächeln zu verschenken.
Ja, ich lebe, lache, weine,
daran musste ich jetzt denken.

Antje Koller, Nerchau


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