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Na, dann wollen wir Sie mal abhören, hat früher der Arzt immer gesagt. Heute sagt das der Verfassungsschutz. Der sieht nämlich rot. So rot, dass er sogar Mitglieder der Linken im Bundestag abhört oder, wie es offiziell heißt, beobachtet. …

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Der „Dichterwettstreit 2009“
Ihres SonntagsWochenBlattes

Der Wecker klingelt, ich bin noch matt,
schlaftrunken schlurfe ich ins Bad.
Ich stehe vorm Spiegel und frage mich,
bin das Ich?
Mit zerwühlten Haaren,
etwas älter an Jahren,
die Augen geschwollen,
da hilft auch kein Rollen,
die Mundwinkel hängen,
durch nichts zu verdrängen,
ich sag, wie es ist,
mein Spiegelbild ist Pessimist!

Und dann kommt mein Mann
und er schaut mich an,
mit zerwühlten Haaren,
etwas älter an Jahren,
schiebt den Bauch vor sich her
und er schnauft etwas schwer,
im Gesicht sprießt der Bart,
doch sein Blick ist ganz zart,
gibt mir nen’ Kuss und räuspert sich:
„Guten Morgen, Schatz, ich liebe dich“,
das ist Balsam für mein wundes Ich.

Zum Schluss kommt der Hund,
der sich reckt und dehnt,
er bleckt die Zähne und er gähnt,
mit zerzausten Fellhaaren,
etwas älter an Jahren
und mit steifem Gang,
deshalb dauert´s so lang,
wedelt freundlich mich an
und dann meinen Mann,
tagtägliche Frage vorm Frühstückstisch:
wer geht Gassi? Bingo, wieder ich.

Edeltraud Goebeler, Grimma

„Das perfekte Individuum – der Mensch“

Der Mensch ist schon ein komisches Wesen,
aber von faszinierender Gestalt –
es wird in rascher Zeit sehr, sehr alt.

Da haben wir zum einen – das männliche Wesen,
sitzt gern abends in ner Kneipe hinterm Tresen
und köpft so manches 7. Bier,
danach fühlt er sich wie ein unbezwingbares Tier.

Das weibliche und niedliche Wesen
Steckt, wo es nur geht, in sämtlichen Lebenskrisen.

Und warum?

Is ja klar wegen uns Männern,
wir erreichen nie, was wir wollen
anstatt dem weiblichen Geschlecht einfach mal Verständnis zeigen sollen,
um sie zu verstehn.
Dann kann der Ärger einfach so in Luft herumwehn.

Die im Flug vergehende Zeit verrinnt in unserer Hand,
so weit der Weg noch vor uns liegt und doch so stark sind wir geworden zu
zerbrechen, die starke Wand.
Frau und Mann finden nun zueinander und sind unzertrennbar ...
Am Ende gebärt die Frau, dem Mann ein Kind
und nach einigen Monaten nun verheiratet sind.
Ach wie wunderschön ist das Leben.
Doch nichts kann die Familie jemals voneinander trennen,
nicht mal ein großes Beben ...

Zum Schluss kommt wie immer der beste Schuss,
in jedem von uns lustigen Volk steckt so manches Kind,
aber nur, wenn wir uns ehrlich zueinander sind.
Bereue niemals, dass was du sagst,
sonst stellt du dieses eines Tages in Frage
und genieße den Moment, der für die Ewigkeit gilt ...

Alexander Pörschmann, Zschadraß

Ich

Millionen Gesichter und Namen,
ganz gleich wo sie zur Welt kamen,
sind alle verschieden, ob er oder
sie
Millionen Gesichter und Namen

Millionen Gesichter und
ein einziger mutiger Mund,
sich Lyrik zur Sprache zu machen
unter Millionen Gesichtern, und?

Millionen Gesichter,
sie schweigen,
wenn sie sich
ergeben und beugen.

Nur ich
mein Gesicht
und
mein Name
machte für Lyrik Reklame,
schreibe Verse für Millionen von
Seelen,
denen schöne Worte so fehlen,
ja Worte von Herzen verlieren sich
nicht
und ich bleibe ich
unter Gesichern und Namen.

Kristine Kaiser, Grimma

Das Tier Mensch

Der Mensch ist ein Naturgenie,
der gut und böse ist zugleich.
An Egoismus mangelt´s nie,
mit Herz und Güte ist er reich.

Die Heimat hält ihn froh und munter,
hält ihn, wohin er nicht noch lief,
sie hält ihn, er fällt niemals runter,
doch seelisch fallen kann er tief.

Die Not drückt heftig auf ihn nieder,
er wird zu schwach, zu groß die Not,
doch schließt er nicht die Augenlider,
er wacht, er kämpft, er ist nicht tot.

Sein Herz kann ihn aufs Menschsein
weisen,
ihn würdig machen, ihm erziehn.
Er gibt ihm recht, stets Mensch zu
heißen,
vor grauer Zeit in sich zu fliehn.

Versucht man ihn zu überreden
und alles Wissen zu verkaufen,
mit wissenschaftlichen Belegen,
bis alle Köpfe überlaufen,
dann glaubt er fast, er sei die Krone
von Gottes schöpferischem Werk.
Will ständig er die Kräfte schonen?
Macht halt vor jedem hohen Berg?

Nicht ich! Und von des Menschen
Glauben hängt Lebenssinn und Mut noch ab.
Gott will uns Bosheit nicht erlauben,
weil Liebe er dem Menschen gab,
der bis zum Tode tritt die Erde,
bleibt menschlich lieb und tierisch wild,
kann aufrecht gehn und bucklig werden.
So sieht es aus, mein Menschenbild.

Kristine Kaiser, Grimma

„Liebeskummer“

Vom Himmel fällt ein Tropfen,
schon fängt es an zu klopfen,
doch wo kommt dieses Geräusch denn her?
Ich dachte, es schon nicht mehr zu spüren.

Dieses Vibrieren kommt aus meiner wärmenden Brust,
wieso fühlt man sich nur so unwohl und schlecht dabei,
das hätt ich mal gern gewusst, aus Lust am Leben
oder doch der lebenszerstörende Frust.

Nein, es ist ein Gefühl, das tiefer als das Herz schlägt!

Am Ende kommt der immense Druck von meinem Herzen,
diese unerträglichen, niederschmetternden Schmerzen,
die leider seit mehreren Jahren mein Leben schon plagen.

Urplötzlich nicht ein einziger Mensch kann mir diesen Grund nennen,
stattdessen alle Frauen vor mir wegrennen.
Ich kannte die Antwort, dies eine Wort.
Ach, ich trau es nicht einmal zu sagen.

Einer meiner vielen Gedanken war in meinem Kopf,
auf jeden Deckel passt doch stets ein Topf.
Jetzt kam das Wort zum Vorschein.
„Der Liebeskummer“, der ist nun gekommen,
denn meine große Liebe war nun fort
und dies hab ich leider zu spät vernommen ...

Alexander Pörschmann, Zschadraß


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