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Na, dann wollen wir Sie mal abhören, hat früher der Arzt immer gesagt. Heute sagt das der Verfassungsschutz. Der sieht nämlich rot. So rot, dass er sogar Mitglieder der Linken im Bundestag abhört oder, wie es offiziell heißt, beobachtet. …

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Der „Dichterwettstreit 2009“
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„Ich“

Viele Jahre sind nun vergangen, als ich war noch ein Kind –
behütet wuchs ich auf, wofür ich heut noch sehr dankbar bin.

Wie gern würd ich noch einmal die Klingel der Schuluhr hören,
würd mich gar freuen, noch ein letztes Mal zum Unterricht zu spazieren.

Das schönste Gefühl war das Kribbeln im Bauch,
als ich das erste Mal verliebt war,
als mich ein Junge abholte, vorm Haus.

Und der Tag, an dem ich meinem Mann das Ja-Wort gab,
dies war ein sehr überwältigender Tag.

Doch das allergrößte Glück in meinem Leben war,
meinem neugeborenen
Sohn das erste Mal vor mir zu sehen.

Von diesem Tag an hatte mein Leben einen Sinn
und es verging kein Tag mehr, an dem ich nicht fröhlich gewesen bin.

Danach folgten ein paar Schicksalsschläge –
als Mutter und Vater gingen, gab es viele Tränen.

Doch später die Enkel brachten neuen Sonnenschein und sie
bemühen sich noch heute öfters mal bei mir zu sein.

Der Tod meines Mannes war hart und schwer,
doch wie´s Leben halt will, einer geht immer eher.

Ja, ja doch nun bin ich alt und ich weiß es dauert nicht lang,
wo man nur noch in Gedanken mit mir reden kann.

Doch ich werd in Gedanken an die Lieben fortgehn
und hoffe auf ein fröhliches Wiedersehen.

Katja Otto, Leipzig

„Ich“

Ich stehe den ganzen Tag im Stall, die Beine tun mir weh vom langen,
langen Stehn.
Ich bin alleine, das Herz schmerzt sehr, meine Augen seien treu,
sagst du oh Mensch.
Doch wenn du mich anschaust, müsstest du es sehen,
dass sie sind leer.

Du holst mich wenn´s  hochkommt, zwei Mal pro Woche hier raus.
In der Zeit misten dann andere meinen kleinen bescheidenen Stall hier aus. Dann putzt du mir schnell übern Rücken hinüber,
Sekunden später liegt auch schon der Sattel drüber
und nun noch den Gurt ganz, ganz fest geschnallt,
die Trense ins Maul und dann hör ich auch schon,
wie die Stalltüre hinter uns zuknallt.

Danach in die Halle mit dem grellen Licht,
ein paar Runden Trab und wehe, ich spure nicht.
Die Beine, sie schmerzen vom langen Stehn,
doch mein Herrchen will doch mit mir auf Turniere gehen.

Ich gebe mir Mühe, bin schon völlig geschafft,
doch am Ende wird gesagt, ich hab´s  gut gemacht.
Dann bekomm ich ‘ne Möhre, dann Sattel und Trense ab und
dann wird auch schon die Stalltüre hinter mir zugemacht.

Ich will ja nicht klagen, es könnte schlimmer noch sein,
doch ein bisschen mehr Liebe, das wäre fein,
ein Stall mit Fenster oder ab und an Weidegang und
ein Kumpel mit dem ich toben kann.

Davon kann ich nur träumen, ja das bin ich,
ein weißes, edles Vollblutpferd mit Tränen im Gesicht!

Katja Otto, Leipzig

Ich vergess dich nicht

Ich vergess dich nicht,
auch wenn ich versuche, nicht mehr an dich zu denken.

Ich vergess dich nicht,
auch wenn ich versuche, meine Schritte nicht zu dir zu lenken.

Ich vergess dich nicht,
auch wenn ich versuche, dir keine Träne mehr zu schenken.

Meike Bornschein (13 Jahre), Dahlen

Sache

Bin nur ein kleines Hündchen,
ein hübsches Accessoire,
ein unbedeutender Name,
in deinem Repertoire.

Bin nur ein kleines Etwas,
Verschwender deiner Zeit.
Doch hab ich auch Gefühle
und Persönlichkeit.

Ich hab dir nichts zu sagen,
doch du auch nicht mir.
Ich wollte davon loskomm',
doch ich folge dir.

Auf Schritt und Tritt
will ich bei dir sein.
Denn ohne dich
fühl ich mich so allein.

Es nützt nichts, egal was ich mache -,
für dich
bleibe ich nur
eine Sache.

Meike Bornschein (13 Jahre), Dahlen


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