|
|
|

Der „Dichterwettstreit 2009“
Ihres SonntagsWochenBlattes
Mein altes „Ich“
Mein Platz ist am Fenster,
es ist offen.
Ein Hauch von Sommer kommt herein.
Ich möchte auf eine Begegnung hoffen,
bin fast den ganzen Tag allein.
Ein paar Worte, ein kurzes Winken,
ehe die Sonne beginnt zu sinken.
Mein Fotoalbum auf dem Schoß,
die letzten Bilder, wo sind sie bloß?
Auf einem halt ich inne mit meinem Blick
weit gehen hierbei die Gedanken zurück.
Ein Zivi tritt ein in seiner weißen Kluft.
So, nun gehen wir raus an die Luft.
Er schiebt mich schnell eine große Runde,
damit wieder vergeht wenigstens eine Stunde.
Ich versuche ein Thema, doch er beißt nicht an.
Was will einer hier, wenn er das nicht kann?
Seine Welt ist ja nicht die meine.
Vielleicht denkt er, jedem das Seine.
Der Abend rückt näher,
im Speiseraum ist schon Licht.
Ich freu mich auf diese Stunde,
obwohl ich kenne jedes Gesicht.
Jeder will aus Erinnerungen berichten,
ich kenne eigentlich fast alle Geschichten.
Es kommt der Tee, die Brote belegt und halbiert,
die Rinde ist ab, der Teller etwas garniert.
Dann beginnt der Abend,
es zieht wieder ein die Stille.
Eine junge Schwester bringt noch die Pille.
Sie ist mir behilflich bei den letzten Gängen,
mein Blick bleibt kurz an ihrem jungen Gesicht hängen.
Ich möchte fast berühren ihre zarte Haut,
über meine Lippen traut sich aber kein Laut.
Doch fragt sie wenigstens nach meinem Befinden,
um dann eilig ins nächste Zimmer zu entschwinden.
Mit welchen Gedanken schlafe ich nun ein?
Müsste morgen nicht Sonntag sein?
Besuch? Meine Sinne sind etwas verschwommen.
Ein Enkel müsste ja bald mal kommen.
Zehn Euro liegen für ihn schon bereit,
damit er nicht wieder sagt: Es ist mir zu weit.
Die eigenen Kinder was will ich mehr,
im Wechsel kommt eigentlich jeder mal her.
Jeder hat Arbeit, keiner liegt dem Staat auf der Tasche,
keiner ist süchtig nach dem Geist aus der Flasche.
Ein wenig kann ich wohl stolz darauf sein,
mit diesem Gedanken schlafe ich gut ein.
Erhard Gerson, Großbothen
|
Geliebte Ostsee
Oh, geliebte Ostsee!
Wie sehr vermisse ich das Rauschen deiner Wellen.
Schön sitzt sich´s auf der Seebrücke zu Göhren,
die Stille umhüllt mich.
Nur dann und wann ziehen ein paar Besucher vorüber,
die meinesgleichen suchen.
Romantisch ist´s hier.
Das Meer, der Strand, die Felsen
alles wird in das Abendrot mit goldenem Stich getaucht.
Der Himmel ist wolkenlos,
die See hat sich beruhigt
sie tankt Kraft für den nächsten Tag.
Es ist fast düster
als ich mich auf den Weg nach Hause begebe.
Nur schweren Herzens trenne ich mich
von meinem geliebten Platz, von meiner Ostsee.
Doch ich weiß, morgen werde ich wieder hier sein.
So steure ich aus meinem sicheren Hafen hinaus,
um ein anderes Ziel zu erreichen,
wie der kleine Kahn auf dem weiten Meer.
Es ist früh am Morgen,
als ich meine Muse wieder treffe.
Der Strand noch unberührt an diesen Morgen,
nur die Möwen singen ihr Lied.
Glücklich lass ich mich nieder
in den Strandkorb Nummer 47.
Mein Block schweift übers Meer,
welch bezaubernde Atmosphäre!
Langsam wacht auch sie auf die Ostsee.
Lauter wird ihr Rauschen,
höher schlagen ihre Wellen.
Ich versuch´s zu verdrängen,
aber der Abschied, der ist da.
Tränen kullern über mein Gesicht,
denn ich werde sie sehr vermissen meine geliebte Ostsee,
aber eines Tages werden wir für immer eins sein.
Elisabeth Richter, Herzberg/Elster
|
Alles zerstört
Ich spreche mit dir,
doch ich hülle mich in tiefes Schweigen.
Ich sehe dich an,
doch ich verschließe die Augen vor der bitteren Wahrheit.
Ich lächle dir zu,
doch Tränen strömen über mein Gesicht.
Ich hatte Hoffnung,
doch du hast sie begraben.
Du hast mich verletzt,
doch ich gab uns nicht auf
bis ich nicht mehr konnte.
Elisabeth Richter, Herzberg/Elster
|
War das Liebe?
Unsere Träume sind verflogen.
An einem Ort der Zweisamkeit
ist die Liebe ausgezogen.
Wegen eines kleinen Streits,
hält mein Leben plötzlich an.
Außer dem Schmerz schwerer Stunden
spüre ich nicht das Irgendwann.
Auch nicht die Zeit ohne Wunden,
in der ich noch glücklich war.
Als mein Herz für dich schlug,
da wurde uns leider klar:
Wir erreichen nicht den Zug,
der uns führt zu einem Ziel,
an dem wir zusammen bleiben.
Doch dieses Gefühl zerfiel.
Statt die Wolken zu vertreiben,
fiel auf uns ein starker Regen,
dessen Nässe ich jetzt spüre.
Kalter Wind kommt mir entgegen.
Trotz der geschlossnen Türe,
tritt der Zweifel bei mir ein:
Alles dafür getan zu haben.
Auch der Teufel schlich hinein,
hat die Hoffnung tief vergraben
und bedient sich einer Kraft,
mir die Einsamkeit zu schwören.
Die alle Wege dafür schafft,
mir mein Leben zu zerstören.
Ohne einen Pfad zu sehen,
der mich führt durchs Labyrinth,
werden Jahre wohl vergehen,
bis die Liebe neu beginnt.
Frank Albrecht, Riesa
|
|