Der „Dichterwettstreit 2008“ Ihres SonntagsWochenBlattes

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Sehnsucht

Ich sehne mich nach deinem Lachen.
Ich seh so gern in dein Gesicht,
das wird mir ewig Freude machen
doch leider seh ich dich heut nicht.

Ich sehne mich nach deinen Küssen.
Ich sehne mich nach Zärtlichkeit.
Ich würde dich so sehr vermissen,
wärst du nicht hier, sondern sehr weit.

Ich sehne mich nach deinen Händen,
die oft schon zärtlich mich berührt.
Ach, bitte, lass es niemals enden,
was uns zum Ziel der Wünsche führt.

Hans-Joachim Albrecht, Torgau


Die Nixe

Eine Nixe nach dem Bade
stieg vom Meer an das Gestade.
Braun gebrannt von Kopf bis Fuß.
Jeder Zoll ein Hochgenuss.

Ein Jüngling, der am gleichen Strande
lag im warmen, weißen Sande,
verzehrte sie mit heißem Blick,
träumte schon von Liebesglück.

„Oh mein Hoffen, oh, mein Sehnen,“
hörte man ihn leise stöhnen,
„komm mein allerliebster Schatz,
nimm an meiner Seite Platz.“

Doch sein heißes Liebeswerben
musste schon im Keim ersterben,
denn die Nixe war ein Traum,
geboren aus des Meeres Schaum.

Hans-Joachim Albrecht, Torgau


Winternacht

Gerade bin ich aufgewacht.
Fast taghell ist die Winternacht.
Der Vollmond schickt sein Silberlicht,
und ich find meine Ruhe nicht.

Den ganzen Tag hat es geschneit.
Wir hatten einen kleinen Streit.
Ich stapfe durch die weiße Pracht,
gedankenschwer und aufgebracht.

Bezuckert ist nun jeder Baum.
Die Nacht ist still, wie selten kaum.
In meinem Kopf, da klopft es laut,
sind Barrikaden aufgebaut.

Und wie ich noch so weiter geh,
belehrt mich doch der weiche Schnee.
Er gibt unter den Füßen nach,
Lohnt sich denn überhaupt der Krach?

Geläutert gehe ich nach Haus
und ziehe meine Schuhe aus.
Dann putze ich den Schnee vom Schuh
und finde wieder meine Ruh.

Hans-Joachim Albrecht, Torgau


Träume

Aufgewacht bin ich soeben
Verblasst ist schon der letzte Traum.
Was wird der neue Tag mir geben?
Was steht heut am Wegessaum?

Wird mir heut Fortuna lachen?
Werden meine Träume wahr?
Wird der Tag mir Freude machen?
Mich beglücken immerdar?

Werde ich Dich heute sehen?
Werde ich heut bei Dir sein?
Was wird heute noch geschehen?
Sind wir heute ganz allein?

Ach, mein unermüdlich Hoffen
ist verbunden nur mit Dir.
Meine Träume bleiben offen,
meine Sehnsucht vor der Tür.

Doch es wird in unsrem Leben
beschieden sein manch schönes Jahr.
Glückseligkeit wird uns gegeben.
Dann sind meine Träume wahr.

Hans-Joachim Albrecht, Torgau


Sonnenaufgang

Soeben bin ich aufgewacht,
bin noch in meinen Träumen,
und draußen ist noch tiefe Nacht.
Wind säuselt in den Bäumen.

Doch hinten, weit am Firmament,
zuerst noch dünn und fein,
wo Himmel sich von Wasser trennt,
ein zarter, blasser Schein.

Ganz langsam sich der Himmel hellt.
Ein Wölkchen treibt heran.
Und übers ganze Himmelszelt
fängt es zu glühen an.

Glutrot der Horizont sich färbt,
purpurner Wolkenstreifen.
Bevor der Tag die Nacht beerbt
noch zarte Nebelschleifen.

Nach Osten nun das Wölkchen strebt,
lässt dunkelrot sich färben
und Wind sich leise nun erhebt,
Tag will es endlich werden.

Und plötzlich aus dem Meer empor
durch dünne Nebelbahnen
ein helles Pünktchen tritt hervor.
Es lässt sich kaum erahnen.

Ganz schnell wird nun das Lichtlein groß.
Es wächst zum Feuerball,
kam mitten aus des Meeres Schoß,
erfreut die Menschen all.

Und mit dem ersten warmen Strahl
erwacht ringsum das Leben.
Ob auf den Bergen, ob im Tal,
Wird Hoffnung uns gegeben.

Hans-Joachim Albrecht, Torgau


Frühlingszeit

Frühling ist es überall,
Der Winter ist vergangen,
Den allerersten Sonnenstrahl
Hab’ ich mir eingefangen.

In meinem Herzen wird es warm,
Nach dir ist mein Verlangen,
Ich nehme dich in meinen Arm,
Und küss dich auf die Wangen.

Hoch drob’n die Vögel in der Luft,
Sie ziehen her in Scharen,
Angelockt vom Frühlingsduft,
Wollen sich nun paaren.

Schon in aller Herrgottsfrüh
Hab ich es vernommen,
Sie pfeifen ihre Melodie:
„Der Frühling ist gekommen.“

Aus ihrem Winterschlaf erwacht
Sind die Blumen, groß und klein,
Diese schöne Blütenpracht
Bringt uns der Sonnenschein.

Die Bäume schlagen wieder aus,
Tragen jetzt ein buntes Kleid.
Die Kunde geht von Haus zu Haus:
„Es ist wieder Frühlingszeit.“

Siegfried Michael, Grimma


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