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Der „Dichterwettstreit 2008“ Ihres SonntagsWochenBlattes
Rückblick
Kaum ist der Morgen angegraut,
ist der Tag noch nicht versaut.
Die Pulle gibt noch etwas her,
gleich ist sie leer, doch wo gibt’s mehr?
Ne neue gibt’s in der Kaufhalle
doch welcher Schreck, das Geld ist alle.
Zur nächsten Bank muss ich jetzt prompt,
bevor das große Zittern kommt.
Also fix Klamotten an
und dann los, so schnell ich kann.
Im Trinkgeschäft krieg ich mein Soll,
der Beutel ist bis oben voll.
Ob Bier, ob Schnaps, ob Sekt, ob Wein
die Flaschen groß, nur nicht zu klein.
Dann lebte ich in den Tag hinein
und zog mir den ganzen Fusel rein.
Ich glotzte Fernsehen, Video und DVD
soff mich immer mehr in den Tee.
Der Alk haute so tief rein,
ich fühlte mich nie allein.
Menschliche Kontakte hatte ich nicht,
nur trübes sonnenloses Licht
dämmerte in meinen vier Wänden,
kein Sonnenstrahl tat mich mehr blenden.
Die Lebenskerze flackerte sehr,
damit sie weiterbrannte, trank ich noch mehr.
Kaum war der nächste Morgen angegraut
war dieser Tag auch schon versaut.
Die Flaschen nämlich waren leer,
paar neue mussten schnellstens her.
Dann trank ich mir mit Wein, dem holden,
den grauen Alltag golden.
Ich tat betteln und auch borgen,
soff mit Schnaps weg die lästigen Sorgen.
Verfiel dem Laster und tat lügen
Familie und mich selbst betrügen.
Auch Freunde und Kollegen versetzte ich
unzuverlässig so kannten sie mich nicht.
Ich war der Schatten einer Null
von früh bis abends ständig vull.
Ich war so angenehm verblödet,
Gesicht und Hände purpur gerötet.
Die Nase gab Leuchtkraft wie ein Leuchtturm
den jedes Schiff findet im stärksten Sturm.
Eine Leuchtkraft, was für ein heller Schein,
das Behagen an der Faulheit schloss mich ein.
Dafür im Gehirn finstere Nacht,
jemand hatte das Licht ausgemacht;
wie im Verlies voll Schrecken und Graus
kein Gedanke kam lebend heraus.
Das Denkvermögen war verdorben
jede Kreativität ausgestorben.
Durchtränkt von Feuerwasser, total durchnässt
lag ich berauscht in meinem Nest
stinkend wie die schwarze Pest;
noch hielt die Sucht mich fest.
Und wieder erwachte der Morgen
und mit ihm dieselben Sorgen.
Die Flaschen waren schon wieder leer,
neue gab es aber jetzt nicht mehr.
Die Gesundheit spielte kaum noch mit
auf meinem exzessiven Ritt.
Der Tod griff schon zu mit kalter Hand,
doch noch hatte ich etwas Verstand.
Und auch noch Lebenswillen
der Alkohol sollte mich nicht killen.
Wenn ich so weitersaufe, wusste ich ja,
ist mein Verfallsdatum ganz nah.
Und deswegen hörte ich auf zu bechern und liegen,
die schöne Welt hat was Besseres zu bieten.
Ich habe noch ’ne Menge vor
und bin nicht länger ein versoffener Tor.
Möchte nüchtern das Leben genießen ohne Frage
bis zum Ende meiner Tage.
Johanners Heesters hole ich nicht mehr ein
aber neunzig Jährchen dürften noch drinne sein.
Bernd Stein, Beilrode
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Der Lebensbaum
Hallo, Du kleines Bäumchen.
Einige Jahre stehst du nun schon hier.
Wie schön du gewachsen bist.
Deine anfangs schwachen Wurzeln geben dir jetzt schon festen Halt.
Immer tiefer bohrten sie sich in das Erdreich,
um dich mit kühlem Nass zu versorgen.
So konntest du prächtig wachsen und gedeihen.
Doch auch so mancher Sturm zerzauste deine Blätter
und bog deine Äste konnte sie aber nicht brechen.
In frostkalten Nächten erstarrte der Lebenssaft in dir
und deine dünnen Zweige zitterten.
Später zogen laue Lüfte durch das Land,
umwehten deinen schmalen Stamm
und erweckten dich zu neuem Leben.
An sonnenhellen Tagen flatterten zahlreiche Vögel durch dein Geäst
und ließen ihren Gesang erklingen.
Dein grünes Blätterdach spendete ihnen angenehm kühlen Schatten.
Nachdem sie verstummt waren
und silbergraue Nebelschleier dich umwoben,
hülltest du dich in ein farbenprächtiges Gewand.
Als du dieses abgelegt hattest, um neue Kräfte zu sammeln,
funkelten manchmal glitzernde Schneekristalle in deiner kahlen Krone.
Danach, wenn dich wieder die Sonnenstrahlen wärmen,
legst du dein zartduftendes Blütenkleid an.
So wie du kleines Bäumchen, möchte auch ich
den Stürmen des Lebens widerstehen.
In der Blüte meiner Jahre hätten sie mich fast zerbrochen.
Nur mühsam konnte ich mich wieder aufrichten.
Ständig zehren sie an meinen Kräften.
Sind meine Wurzeln stark genug, um mir den nötigen Halt zu geben?
Sollte ich im Lebensherbst in fremder Erde neue Wurzeln bilden?
Kann man einen alternden Baum erfolgreich verpflanzen?
Jutta Herland, Delitzsch
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