Der „Dichterwettstreit 2008“ Ihres SonntagsWochenBlattes

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Grank sinn iss Mist

Dor Winder solle sich was schähm,
uns se ä Wedder ahnzebieten.
Sowas hat’s noch nich jejähm,
dass inn Jannewar de Krokusse bliehten.

Den Wind, dähn bliese mächtich uff,
ooch de Sonne ließe scheinen.
Unn denn schickte Rächen druff,
unn laaßen ehn an jansen Wanste friern.

Denn iss mor schlapp, unn alles duht weh,
mor hat’s sozesachen „uff dor Blauze“
von Koppe bis zum jroßen Zeh
unn läht dagsdruff uff dor Schnauze.

De Nase leeft wie ä Wasserfall,
inn Schäddel brummt enne Durbine.
De Beene sinn wie ä Jummiball,
mor kreepelt sich lankhänn met schmerzforzärrter Miene.

Es Fiewer kletterts Dermemeter hook,
de Knochen unn de Zähne klappern.
Mor seift Hustentee ä vollen Trook,
de Lehmslichter fangen ahn ze flaggern.

Unn dor Hussten, dieser Hund.
er iss dor hartnäkste von allen.
Macht inn Halz unn de Gähle wund
unn hält sich feste, wie mett Krallen.

Er jiwwet Taak unn Nacht keene Ruhe
trotz Bulmodin unn Hustensaft.
Das iss ä färchterliches Jetue,
mor iss gabutt unn ooch jeschafft.

So hoffste denn von Taak zu Taak,
dasste äwwern Berk jegomm’ bist.
Wer so lange uff dor Schnauze laak,
der weeß: Granksinn iss Mist!

Ingeborg Hoppe,
Friedeburg/ Mansfelder Land


Das Leben ist trotzdem noch schön

Was ist in dieser Welt bloß los?
Neulich kam sogar unsere Kanzlerin oben fast bloß,
in dieser Position, das war doch der reinste Hohn!
Die Kinder werden nicht nur in der 3. Welt vergessen,
manche haben auch bei uns kaum was zu essen.
Andere schmeißen die kostbare Nahrung in den Müll,
weil sie keiner haben will.
Wo bleibt denn der Menschen, das Gewissen,
die ihre Babys eiskalt weggeschmissen?
Dann mit dieser andauernden Gewalt,
wen lässt denn das bloß kalt?
Das ist ja einfach nicht mehr schön
und traurig das mitanzusehn!
Wer könnte es bloß lenken,
dass die Menschen, etwas genauer denken,
für die kleinen Leute ein wenig an der Schraube drehn,
dann wär das Leben gar so schön!

Karin Meyer, Bad Lausick


Büro im Grünen

Nimm den Schreibtisch unter’n Arm,
auch den Aktenschrank,
raus ins Freie, es ist warm
und du wirst nicht krank.
Lass dein Auto mal zu Haus,
tanke frische Luft,
radle mit dem Rad hinaus,
atme Frühlingsduft.
Falte mal aus Schreibpapier
einen Schmetterling,
am Computer spiel Klavier
und ein Liedchen sing.
Vögel zwitschern trillalie,
dein Büro floriert,
Bürger strahlen wie noch nie,
hast sie inspiriert.
Formulare steckst du weg,
gibst was Bess’res aus,
schreibe ihnen einen Scheck
für ’nen Blumenstrauß.

Günther Fiege, Torgau


Nur einmal noch...

Wenn ich im Abendsonnenschein
in meinem Sessel sitze, still und allein,
denke ich gern an meine Jugendzeit,
die von mir liegt so fern, so weit.
Es bleibt nur die Erinnerung
an die schöne Zeit, wo ich noch jung.
Leise Wehmut zieht in mein Herz hinein,
ach, könnte es noch einmal so wie damals sein!
Ach könnte ich noch einmal nur –
– fröhlich wandern durch Wald und Flur,
– in der Dobiser Schweiz ein Zelt aufschlagen,
– nicht nach Gut und Geld fragen,
– mit dem Hinkestein über alle Spielfelder hinken,
– eine Tasse echten Kathreiner Malzkaffee trinken,
– Veilchen pflücken am Bergeshang,
– Feldblumen suchen einen Sommer lang,
– über die Saale zum anderen Ufer schwimmen,
– in fröhlicher Runde ein lustiges Lied anstimmen,
– dem blinden Leierkastenmann viel Geld schenken,
– einen „Stiefel“ Bier austrinken ohne Bedenken,
– in meinem Paddelboot „Himmel, Himmel“ sitzen,
– mit dem Motorrad über die Straßen flitzen,
– meinen geliebten Freund Karl wiedersehn
und mit ihm an der Saale spazierengehn.
– mit Großmutter „Mensch ärgere dich nicht“ spielen,
– auf einer bunten Blumenwiese liegen,
schau’n, wie die Heidelerchen gen Himmel fliegen,
– im Herbstwind über die Stoppelfelder laufen,
– mir ein zünftiges Dirndlkleid kaufen,
– im Zirkus über den Clown halbtot lachen,
– eine große Fahrradtour ganz alleine machen,
– barfuß laufen durchs nasse Gras,
– Glück empfinden über jedes erträgliche Maß,
– in lauer Sommernacht auf der Mundharmonika spielen,
– warmen Regen auf meiner Haut fühlen,
– in einen roten knackigen Apfel beißen,
– beim Kirschenklaun mein Kleid zerreißen,
– mit meiner geliebten Mutter Kaffee trinken,
– in ein frisch gestopftes Federbett versinken,
– genießerisch (mhm) eine gute Zigarette rauchen,
– in ein Meer von Liebe tauchen,
– einen zärtlichen Kuss auf meinen Lippen spüren,
– einen Schlittschuhlauf auf dem Froschteich riskieren,
– ein tellergroßes, saftiges Schweineschnitzel verzehren,
dazu Schokoladeneis, Schlagsahne und Himbeeren,
– mit Onkel Wilhelm einen Wiener Walzer tanzen,
– zufrieden sein im Großen und Ganzen,
– schon am Morgen fröhlich sein und lachen,
all’ das möchte ich einmal nur noch machen.
Jedoch mein Sehnen hat keinen Sinn,
ich sitze weiter still und allein im Sessel drin
und muss mich meinem Schicksal ergeben.
Ja, ja! So ist es eben, das Leben

Ingeborg Hoppe, Friedeburg/ Mansfelder Land


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