Der „Dichterwettstreit 2008“ Ihres SonntagsWochenBlattes

>> Zur Foto-Galerie der Abschlussveranstaltung


Der Wald im Mai

Es ist erst eine Woche her -
wie hast du dich verändert!
Du bist gewachsen und so schön,
dein Blätterdach ist fast vollendet.

Es ist erst eine Woche her,
da waren es noch Knospen.
Jetzt ist es grün - ein Blättermeer,
Waldmeister blüht und Maiglöckchen zu deinen Füßen.

Geborgen fühlen sich die Vögel,
in deinem Schutz wächst neues Leben.
Ich fühle mich wohl bei dir,
hier find ich meinen Frieden.

Oh, sag es allen!
Lasst den Streit,
das Leben ist so schön!
Seht die Natur -
erhaltet sie - ich fleh euch an.
Wir brauchen den Wald.
Wir finden dort Ruhe.

Werner Müller, Brandis


Der alte Mann im Mai

Ich möcht auf meine alten Tage
noch einmal jung sein, jetzt im Mai.
Ich schaute nicht mehr auf die Waage,
die Pfunde wären mir einerlei.

Ich hab geschuftet alle Tage
und war doch meines Lebens froh.
War da nicht noch was, heut als Sage?
Es war auch im Mai - oder anderswo.

Jetzt weiß ich auch, warum im Mai
ich nochmal jung sein wollte.
Es war nicht nur die Arbeit alle Tage,
es war was andres noch dabei.

Werner Müller, Brandis


Der Frühling

Der Frühling grüßt mit Sonnenschein,
darüber freut sich groß und klein.
Kein Schnee und Regen kann sie schrecken,
zart grünen Wiesen, Wald und Hecken.

Scheu recken zarte Blümelein
zum Himmel hoch ihr Köpfchen klein,
um zu verbreiten ihren Duft
in diese klare Frühlingsluft.

Im Morgengrau´n – welch ein Gezwitscher.
In allen Bäumen piepts  sogleich.
Die Vögel sind zurückgekommen
aus ihrem warmen Winterreich.

Auf Wegen, Plätzen überall
sind Kinder groß und klein.
Der Frühling lockt zu Spiel und Spaß –
wie soll´s auch anders sein.

Sabine Hallmann, Deuben


Das Leben

 
Wenn ich dir sage,

das Leben sei grausam,

verstünde nicht meine Existenz,

umarmst du mich,

Erstickst meine Wut im Keim,

und sagst, dass die Welt,

eines Tages,

ohne mich leben müsse,

und sie dennoch wunderschön,

wie sie ist,

trauern wird,

um dein verlorenes Talent,

das sie nicht ausloten konnte,

bis zur neige.

 

Ich lege meine Arme um dich,

spreche eine Zustimmung,

nicke bekräftigend und hoffe,

dass auch du einmal so ein wirst.

Traurig, verletzt und

Zur Gänze von dir überzeugt.

Bald darauf denke ich,

dass du das nicht kannst.

Du weigerst dich,

Das Korn mit deiner Flinte zu erfreuen,

wie ich es schon

einige Male tat.

Denke ich, du hast kein Vertrauen

Zu der Welt, zu dir?

Doch sehe ich dich

In solchen Momenten

So voller Zuversicht, so glaub ich’s nicht.

 

Aber eines Tages,

der Tag mag noch in weiter Ferne liegen,

lege ich die Arme um dich,

wer weiß?, vielleicht küsse ich deine Stirn?

Wische die Tränen weg,

die ich dann

zum ersten Mal sehen würde,

und sage dir, dass das Leben schön ist,

denn es hat mir dich beschert

und ich werde

den nicht Teufel tun,

bevor du dich nicht auch freust,

mich als Vertrauten zu haben.

Es kommt mir vor,

als wäre es ein Lied,

wie es so ist,

mit Phrasen, Themen, Wiederholungen.

Wenn das stimmt,

dann bist du diejenige.

Diejenige, die

die erste Geige spielt

in meinem Stück.

Die mich durch

Die Tonarten,

ob Moll,

ob Dur

geleitet

und der ich,

als Zuschauer,

abgeschottet in den

Orchestergraben spähend,

einmal mit einer

ähnlich beeindruckenden Geste,

meine aufrichtige

Dankbarkeit

Und Nähe

Mitteilen kann.

 

Glaub mir,

dann, wenn es soweit ist,

und du dar nieder liegst,

und bald zu Gott befohlen wirst,

werde ich,

ebenfalls alt und grau,

deine Hand halten,

sie streicheln,

die blauen Adern

mit zitternden Fingern entlangfahren

und dir sagen,

dass das Leben schön ist.

Es ist etwas makaber,

Ich muss es gestehen.

doch verzeih mir,

denn das Leben,

wie du weißt,

ist und bleibt

für immer, schön.


Eva Jung, Delitzsch


1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 24

25 | 26 | 27 | 28 | 29 | 30 | 31 | 32 | 33 | 34 | 35 | 36 | 37

>> Zur Foto-Galerie der Abschlussveranstaltung


>> weiter