Das Leben
Wenn ich dir sage,
das Leben sei grausam,
verstünde nicht meine Existenz,
umarmst du mich,
Erstickst meine Wut im Keim,
und sagst, dass die Welt,
eines Tages,
ohne mich leben müsse,
und sie dennoch wunderschön,
wie sie ist,
trauern wird,
um dein verlorenes Talent,
das sie nicht ausloten konnte,
bis zur neige.
Ich lege meine Arme um dich,
spreche eine Zustimmung,
nicke bekräftigend und hoffe,
dass auch du einmal so ein wirst.
Traurig, verletzt und
Zur Gänze von dir überzeugt.
Bald darauf denke ich,
dass du das nicht kannst.
Du weigerst dich,
Das Korn mit deiner Flinte zu erfreuen,
wie ich es schon
einige Male tat.
Denke ich, du hast kein Vertrauen
Zu der Welt, zu dir?
Doch sehe ich dich
In solchen Momenten
So voller Zuversicht, so glaub ich’s nicht.
Aber eines Tages,
der Tag mag noch in weiter Ferne liegen,
lege ich die Arme um dich,
wer weiß?, vielleicht küsse ich deine Stirn?
Wische die Tränen weg,
die ich dann
zum ersten Mal sehen würde,
und sage dir, dass das Leben schön ist,
denn es hat mir dich beschert
und ich werde
den nicht Teufel tun,
bevor du dich nicht auch freust,
mich als Vertrauten zu haben.
Es kommt mir vor,
als wäre es ein Lied,
wie es so ist,
mit Phrasen, Themen, Wiederholungen.
Wenn das stimmt,
dann bist du diejenige.
Diejenige, die
die erste Geige spielt
in meinem Stück.
Die mich durch
Die Tonarten,
ob Moll,
ob Dur
geleitet
und der ich,
als Zuschauer,
abgeschottet in den
Orchestergraben spähend,
einmal mit einer
ähnlich beeindruckenden Geste,
meine aufrichtige
Dankbarkeit
Und Nähe
Mitteilen kann.
Glaub mir,
dann, wenn es soweit ist,
und du dar nieder liegst,
und bald zu Gott befohlen wirst,
werde ich,
ebenfalls alt und grau,
deine Hand halten,
sie streicheln,
die blauen Adern
mit zitternden Fingern entlangfahren
und dir sagen,
dass das Leben schön ist.
Es ist etwas makaber,
Ich muss es gestehen.
doch verzeih mir,
denn das Leben,
wie du weißt,
ist und bleibt
für immer, schön.
Eva Jung, Delitzsch