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Geschäftsführer Lippmann: „Klimaneutral und schadstofffrei”

Geschäftsführer Karlheinz Lippmann. Foto: privat Geschäftsführer Karlheinz Lippmann. Foto: privat

SWB: Herr Lippmann, was ist für Sie das gewaltige Sturmtief „Frederike” gewesen: eine Katastrophe oder eine Konjunkturspritze für die Forstwirtschaft?
Karlheinz  Lippmann: Weder noch. Für den einzelnen privaten Waldbesitzer, der sich nicht rechtzeitig und  nicht mit dem nötigen Nachdruck um eine wirtschaftliche sinnvolle Verwertung seines geworfenen Waldes kümmern konnte, werden sich wirtschaftliche Einbußen nicht vermeiden lassen. Ansonsten läuft die Aufarbeitung in den Wäldern planvoll und zügig.

Sturmböen bis 200 km/h in unserem Flachland lassen Sie kalt?
Keinesfalls. Aber „Frederike“ war nicht das erste Sturmtief.  Das Besondere war dieses Mal, dass die Bäume wegen fehlenden Bodenfrostes samt Wurzelteller fielen und nicht brachen. Die Qualität des Holzes ist dadurch wenig beeinträchtigt und noch gut für die Weitervearbeitung nutzbar. Das ist der eine Grund, nicht von einer Katastrophe zu sprechen, der andere die Vernunft der großen Waldbesitzer, zum einem dem Bund im benachbarten Brandenburg und hier im Land ist es der Sachsenforst.

Woran machen Sie das fest?
Mit beiden haben wir und andere Holzverarbeiter Jahresverträge über den Einschlag von „Grünholz”, also stehende schlagreife Bestände. Ein Großteil davon bleiben in diesen Jahr unberührt, stattdessen wird erst mal der durch Wurf gefallene Wald aufgearbeitet.

Die kleinen privaten Waldbesitzer haben das Nachsehen!
Nein. Auch hierbei möchte ich den „Forst“ loben. Die Fachleute von Amts wegen beraten die Waldbesitzer und falls gewünscht, koordinieren sie die Holzverwertung. Ebenso ermöglichen Ausnahmeregelungen für die Holztransporte einen zügigen Abtransport des Rohholzes. Wir sehen uns als Partner der Waldbesitzer, nicht als deren Konkurrenten.

Warum Ihre Eile? Palettenholz ist kein Möbelholz.
Sie irren. An die Palette stellt die aufnehmende Industrie hohe Anforderungen. Die Paletten müssen nicht nur sicher sein, gleichfalls optisch ohne Fehl und Tadel. Das heißt weiter hohes Tempo bei der Holzbergung, ehe sich Schädlinge ausbreiten können. Unsere Technologie ist die Fortsetzung von Naturprozessen, gegen die wir nicht arbeiten, sondern mit der Natur.

Technik und Technologie stehen keinesfalls von vornherein im Einklang mit der Natur. Jetzt geht’s der Autoindustrie an den Kragen, morgen sind  ihre rauchenden Biomasse-Heizkraftwerke in Torgau dran.
Falsch. Wir arbeiten klimaneutral und nahezu schadstofffrei. HIT steht vielmehr für eine gelungene Symbiose von Technologie und Klimaschutz.
Was aus unseren Schornsteinen aufsteigt, ist reiner Wasserdampf, der rasch in der umgebenden Atmosphäre aufgeht. Unsichtbar ist  das CO2, der unverzichtbare Baustoff für die Photosynthese, die Grundlage für Wachstum und Gesundung des Waldes. Unsere Technologie ist darauf abgestimmt alles das was bei der Holzernte anfällt auch zu verarbeiten. Somit nutzen wir genau dass, was uns die Natur anbietet.

Dem Anschein nach verlassen das Betriebsgelände am Forstweg auch keine anderweitigen Abfalltransporte aus der Holzverarbeitung?
Bei uns wird jedweder Rindenrest und jeder Sägespan verarbeitet. Was nicht zu Paletten wird, wird im Betriebsteil Dahlen zu Bauelementen für Haus, Hof und Garten. Die Sägespäne werden mit Druck und ohne chemische Kleber zu Holzbriketts und Holzpellets gepresst, lediglich bei der Palettenklotzproduktion wird Leim zugesetzt. In den Bioheizkraftwerken werden die naturbelassenen Holzreste und Rinde zu  Strom und Wärme umgewandelt.

Wo bleibt die Wärme, vor allem im Somme?
Damit trocknen wir Holz und insbesondere die Späne des Rohholzes, welches bekanntlich mit über 40 % Feuchte aus dem Wald kommt, wir jedoch Pellets und Holzbriketts mit etwa 10 % Restfeuchte als hochwertiges Heizmaterial anbieten. Sie sehen, bei uns sind alle ökologisch wie ökonomisch denkenden Kundinnen und Kunden  richtig.

Ihre Geschäftsidee von den „100 %“ Verwertung haben Sie woher?
Die steckte in uns drin. Mein Partner, Herr Hilmer, ist Forstwirt, ich studierter Förster. Wir kommem sozusagen aus dem Wald. Wir dachten nicht: Was können wir aus den Wäldern alles herausholen, sondern was können wir mit dem im Wald Gewachsenen alles anfangen?

Zum Schluss noch eine eher moralische Frage? In Torgau hört man keine laute Kritik und Anfeindungen gegen HIT mehr. Was hat sich geändert?
Die Tatsachen überzeugen: 600 Arbeitsplätze, auf einer ehemaligen heruntergekommenen Militärfläche steht eine der modernsten und größten Holzindustrien Europas, 300 Millionen wurden in persönlicher Haftung investiert und es wird weiter investiert, die Waldbesitzer der umliegenden  Heidewälder haben einen verlässlichen Partner, Haus- und Hofeigentümer wissen, wo sie preiswert klimaneutrales Heizmaterial und hölzerne Baumaterialen direkt ab Werk kaufen können, für eine Vielzahl von örtlichen Handwerksbetrieben sind wir Auftrageber. Und wissen Sie, die Neigung  von Teilen der Öffentlichkeit zu Aufregung, Skandalisierungen und  Misstrauen gegenüber Neuem ist in ganz Deutschland üblich geworden. Darüber sind wir emotional hinweg. Ich glaube, wir sind in Torgau angekommen und werden als Partner respektiert.
Gespräch: E. Baumbach