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Anette Engel: „Wir müssen uns nicht verstecken“

Anette Engel (li.) und Moie Franziska Triebke boten zum Moienmarkt 2017 Schliebener Wein und Bier an. 2018 wird die Moie wieder neu gewählt. Bewerber können sich gern im Amt melden. Anette Engel (li.) und Moie Franziska Triebke boten zum Moienmarkt 2017 Schliebener Wein und Bier an. 2018 wird die Moie wieder neu gewählt. Bewerber können sich gern im Amt melden. Foto: SWB/sn

Schlieben. 6.4.2018  Seit dem 13. Jahrhundert wird in Schlieben Wein angebaut, aus wirtschaftlichen Gründen kam dieser Anfang des 20. Jahrhunderts jedoch zum Erliegen. 1992 startete die Stadt mit der Wiederaufrebung einer alten Fläche am „Langen Berg“. Schon ein Jahr später gründete man am 4. März vor Ort den gemeinnützigen „Verein zur Förderung des historischen Weinbaus in Schlieben“. Die Mitglieder bewirtschaften dort seither ehrenamtlich eine Fläche von etwa einem Hektar.

SWB: Frau Engel, Schliebener Wein ist in der Region nicht mehr wegzudenken. Wie kam es dazu?
Anette Engel: Der Weinberg wird nicht nur als lebendes Naturdenkmal erhalten und gepflegt, sondern bildet mit der historischen Kellerstraße ein einmaliges Ensemble. Gäste, die davon lesen oder hören und uns erstmals besuchen, sind begeistert. Weinwissen und Weinkultur werden so gefördert. Die Lage des Weinberges ist eine der zwei gesetzlich zugelassenen Rebflächen in Brandenburg, auf denen Qualitätswein erzeugt wird. Darüber hinaus erlangt Schlieben mit einem guten Tropfen seine Bekanntheit.

Das hört sich aber auch nach viel Arbeit an?
Das kann man so sagen. Als ehemalige Amtsdirektorin ließ Iris Schülzke, Sie gehört auch zu den Gründungsmitgliedern, mit einem ABM-Projekt den Weinberg vorwiegend mit den Sorten Müller Thurgau und Bacchus aufreben. Die Terrassen waren zwar noch erkennbar, aber alles lag brach. Willi Gelfort startete als erster Vorsitzender. 1997 pflanzten wir Regent, um auch an die Rotweinliebhaber zu denken. Es entstand ein Weinwanderweg über einen guten Kilometer vom Weinkeller zum Berg, um die Weinkultur unseren Besuchern näher zu bringen. Und der Schaugarten ist immer wieder ein beliebter Anziehungspunkt - vor allem, wenn die reifen Trauben leuchten. Sorten wie Blauer Portugieser, Tafeltrauben oder die russische Rebe Mitschurinski wachsen dort als Spalierobst.

Gibt es alte Reben aus früheren Jahrzehnten auch noch?
Etwa vier Rebstöcke der Sorte Spätburgunder, weißer Elbling und Blauer Portugieser konnten wir über den Weinberg verteilt erhalten. Das Alter schätzen wir auf um die 100 Jahre. Die Beeren sind besonders zum Abnaschen geeignet.

Naschen ist die eine Seite aber bis dahin bedarf es viel Pflege?
Von unseren derzeit 76 Mitgliedern sind rund 40 Aktive in verschiedenen Aktionen tätig. Da gibt es nicht nur die Männer,- sondern auch die Frauenbrigade auf dem Weinberg, die in der Saison immer dienstags tätig ist. Da steht auch jede Menge anstrengende Arbeit auf dem Programm, denn vieles wie das Ausgeizen oder Entblättern muss im bestimmten Zeitraum erledigt werden. Um Qualitätsfrüchte zu erreichen, bangen wir um die Blüte oder Spätfröste im Mai. Wir Schliebener setzen nicht auf Masse, sondern Qualität und schwanken mit unseren Erträgen meist um sechs Tonnen, mal mehr und mal weniger. Die Lese ist ein schönes Volksfest, von uns Mitgliedern vorbereitet. Freunde, Familie und Einwohner kommen in Scharen mit Eimer und Baumschere, um zu helfen.

Wer hält das Zepter in der Hand?
Erster Vorsitzender war Willi Gelfort und 1997 übernahm Dr. Eberhard Brüchner. Er war 14 Jahre das Zugpferd, brachte viele neue Ideen in punkto Kultur auf den Weg. Dazu gehörte unter anderem die Veranstaltung „Klassik und Wein“ oder das Martinsgansessen. Seit 2011 stehe ich selbst an der Spitze.

Welche Höhepunkte stehen auf dem Programm vom Weinbauverein?
Da gibt es einige über das Jahr verteilt. Auftakt ist meist der Tag des offenen Weinbergs im März, wo wir Gästen praktische Hinweise anbieten. Dann kommt Pfingstsonntag der Frühschoppen, am 1. Juni ein fröhlicher Weinabend im Schafstall des Drandorfhofes, Ende Juni der Moienmarkt oder im Oktober das Kellerstraßenfest. Die Brandenburger Jungweinprobe in Potsdam ist ebenfalls ein beliebter Termin. Rund 50 Winzer, die in Brandenburg Wein produzieren, stellen ihre Jahrgangsweine vor. Es ist Präsentation und Vergleich in einem und die Sortenvielfalt sehr groß. Die Jungweinprobe in Freyburg an der Saale-Unstrut mit etwa 200 Anbietern ist noch viel größer.

Sind die Schliebener Winzer dort ein kleiner Fisch?
Andere Winzer schmunzeln schon über unseren einen Hektar Anbaufläche. Doch wir betreiben den Weinanbau professionell und können auf viele Auszeichnungen verweisen wie Silber und Bronze bei den Gebietsweinprämierungen, auch bei der Bundesweinprämierung der DLG gab es Medaillen für unseren Bacchus, Müller Thurgau und Schieler. Die größte Ehrung erfolgte auf internationaler Ebene mit Silber für den Regent 2007. Wir müssen uns nicht verstecken. Mit dem Lob anderer Winzer geht die Arbeit gleich leichter von der Hand.

Jetzt wird erst einmal gefeiert?
Zur Mitgliederversammlung haben wir unsere Angehörigen, Amtsdirektor Andreas Polz und Bürgermeisterin Cornelia Schülzchen eingeladen, um das 25-jährige Bestehen ganz gemütlich zu feiern.

Gespräch: Serena Nittmann