Dieter Lehmann: „Alle entschlossen handeln“

Dieter Lehmann organisierte die Diskussionsveranstaltung über den globalen Klimawandel in Falkenberg. Dieter Lehmann organisierte die Diskussionsveranstaltung über den globalen Klimawandel in Falkenberg. Foto: privat

Falkenberg, 16. 06.2017.  Am 22. Juni findet im Falkenberger Haus des Gastes, 18 Uhr, eine Diskussionsveranstaltung über den globalen Klimawandel statt.  Unter dem Motto „Der globale Klimawandel - von uns Menschen verursacht - erklären, begreifen, handeln!“ wird es zwei themenbezogene Vorträge und eine Podiumsdiskussion geben. Ziel der Veranstaltung ist es, die Problematik des globalen Klimawandels ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, um möglichst vorbeugende Maßnahmen der Klimastabilisierung und -anpassung zu entwickeln. Das SonntagsWochenblatt sprach mit Naturschützer Dieter Lehmann, der zusammen mit der Falkenberger Stadtverwaltung diese Diskussionsveranstaltung organisiert hat.

SWB: Der globale Klimawandel ist eine Dauerthema in den  Medien. Was hat Sie veranlasst, dennoch eine derartigen Veranstaltung in Falkenberg zu organisieren?
Dieter Lehmann: Am 27. März gab es in der Brikettfabrik „Louise“ in Domsdorf eine regionale Konferenz zur Klimafolgenanpassung. Etwa 60 interessierte Teilnehmer waren gekommen. Auch wir vom Naturschutzverein „Elsteraue“ waren dabei. Uns fiel auf, dass kein Vertreter der Falkenberger Stadtverwaltung anwesend war. Wir richteten deshalb ein Schreiben an Bürgermeister Herold Quick mit der Anfrage, ob zur Problematik des globalen Klimawandels in unserer Stadt kein Handlungsbedarf besteht. Herold Quick reagierte auf unsere Kritik positiv und wir vereinbarten eine Diskussionsveranstaltung.

Was wollen Sie mit dieser  Veranstaltung erreichen?
Der globale Klimawandel, an dessen Beginn wir stehen, ist gegenwärtig das größte Problem der Menschheit. Es wird zwar viel geschrieben und geredet darüber, aber das allein reicht nicht aus. Es muss entschlossen gehandelt werden! Dies gilt nicht nur für alle Völker und Staaten auf unserer Erde, sondern auch für jeden einzelnen Menschen.

Was sind die Ursachen für den gegenwärtigen globalen Klimawandel?
Wir Menschen sind durch die Art und Weise, wie wir gegenwärtig leben, die Verursacher des fortschreitenden Klimawandels. Das massive Verbrennen fossiler Energieträger wie Kohle und Öl macht die Erde zum Treibhaus. Die Prognose  führender Klimaexperten lautet: Wenn die Industrie- und Schwellenländer ihren Treibhausgasausstoß nicht drastisch senken, könnte die Durchschnittstemperatur auf der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts bis auf  über vier Grad ansteigen.

Gibt es dafür stichhaltige Argumente oder gar Beweise?
Das Jahr 2015 war im globalen Mittel 0,9 Grad wärmer als der Durchschnitt des 20. Jahrhunderts und damit das wärmste Jahr seit Beginn der Messungen 1880. Hauptschuld daran trägt der nach wie vor ungebremste Ausstoß industrieller Treibhausgase. Bei den Pro-Kopf-Emissionen liegen die USA immer noch vorn. Im Jahr 2015 kamen auf jeden US-Bürger 17 Tonnen CO2, auf jeden Einwohner Chinas nur 7,5 Tonnen. Der Pro-Kopf-Ausstoß in Deutschland betrug 9,9 Tonnen. Also immer noch viel zu viel!

Was können wir - als jeder einzelne Mensch - dagegen tun?
Jeder kann und muss etwas tun, um den Klimawandel aufzuhalten. Die Kette beginnt stets beim ersten Glied! Wer sich klimagerecht verhalten will, sollte beispielsweise Energie einsparen, wo es nur geht. Er sollte weitgehend öffentliche Verkehrsmittel benutzen, statt mit dem eigenen Auto zu fahren. Es gibt viele Möglichkeiten, etwas zu bewegen! Darüber wollen wir in unserer Diskussionsveranstaltung reden. Herr Lehmann, sie sind wohl einer der bekanntesten Naturschützer in unserer Region. Hat ihr diesbezügliches Engagement etwas mit Klimaschutz zu tun?
Ja, natürlich. Die Wirtschaftssysteme auf unserem Planeten sind seit Beginn der Industrialisierung auf die hemmungslose Ausbeutung der Natur ausgerichtet. Wir plündern die Bodenschätze, vergiften das Grundwasser, die Böden, die Luft und die Atmosphäre. Wir holzen Wälder ab, verschmutzen die Meere und dezimieren Tier- und Pflanzenarten. Der Mensch in seiner unbegreiflichen Gier, immer bequemer und immer besser leben zu wollen, verhält sich gegenüber seiner Umwelt feindlich. Dem muss man entgegenwirken. Es gibt Menschen, die mahnend zur Vernunft rufen. Auch ich gehöre dazu.

Sie haben zum globalen Klimawandels auch schon Bücher geschrieben?
Ich habe zwei Bücher geschrieben. Das erste „Im Klimawandel angekommen. Was nun?“ erschien 2005. Danach ein zweites: „Kleine Klimafibel 2007“. Beide Bücher habe ich beim Projekte-Verlag Halle herausgegeben,  den es leider inzwischen nicht mehr gibt.

Erhoffen Sie sich für die Klimadiskussion im Haus des Gastes eine große Zuschauerresonanz?
Wir hoffen auf viele Teilnehmer. Immerhin haben wir zwei prominente Vortragsredner. Und bei der danach folgenden Podiumsdiskussion kann jeder seine Fragen stellen - heiße Diskussionen garantiert!

Gespräch: Serena Nittmann