Thomas Patommel: „Fast schon Routine“

Thomas Patommel: „Uns hat niemand etwas geschenkt.“Foto: SWB/HL Thomas Patommel: „Uns hat niemand etwas geschenkt.“Foto: SWB/HL

Doberschütz-Mockrehna, 19. 5. 2017.  Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch erklärt Thomas Patommel, im vierten Jahr Trainer beim SV Frisch-Auf Doberschütz-Mockrehna, warum seine Spieler Profis beim Feiern sind.

SWB: Offensichtlich haben Sie seit dem Jahr 2014 am Mittwoch vor dem Männertag nichts anderes vor, als den Abend im Hafenstadion in Torgau zu verbringen.
Thomas Patommel: (lacht) Es scheint so zu sein, ja. Aber, wenn ich das vierte Mal in Folge mit meiner Mannschaft im Endspiel um den TZ-Bärenpokal stehe, dann ist das ein schöner Anlass und gut investierte Zeit. In den letzten Jahren habe ich alle Wetter- und Gefühlslagen von kalt und regnerisch bis warm und trocken erlebt. Ich hoffe, dass am Mittwochabend der Fußballgott mit im Spiel und auf unserer Seite ist.

Sie sind mit Ihrer Mannschaft Dauergast im Finale, wie ist diese Tatsache zu erklären?
In den ersten beiden Jahren hatten wir auch in der Meisterschaft einen super Lauf, damals herrschte große Euphorie. Im Vorjahr war der Finaleinzug, obwohl wir auch Glück hatten, fast schon Routine. Auch in dieser Saison mussten wir starke Konkurrenz aus dem Weg räumen: Uns hat niemand etwas geschenkt. Im Gegenteil. Die Spiele gegen Eilenburg II und in Schenkenberg waren ein hartes Stück Arbeit. Diesbezüglich kann uns keiner etwas vorhalten.

Sticht ein Triumph vom Pokal-Triple besonders heraus?
Am meisten Spaß und der schwerste Triumph war der erste Erfolg: 1:0 nach Verlängerung durch einen Elfmeter gegen Mügeln/Ablaß. Das war ein Spiel zweier gleichstarker Mannschaften auf Augenhöhe. Dieses Finale steht über den anderen beiden, weil wir gegen Laußig und Krostitz II unsere Favoritenrolle genutzt haben.

Vor der Saison verließen zehn Stammspieler aus den unterschiedlichsten Gründen den Verein. Wie haben Sie es in der Kürze der Zeit geschafft, eine schlagkräftige Mannschaft zu formen?
Wir mussten uns schnell als Mannschaft finden: Die Vorbereitung verlief, auch wegen einiger derben Niederlagen, holprig. Mit Walther, Ruhnow, Springer und Flögel hatte ich einige Korsettstangen zur Verfügung. Darauf konnte ich aufbauen. Wir mussten uns alles neu erabeiten.

Das scheint mit dem vierten Finaleinzug hervorragend geklappt zu haben.
Die Meisterschaft in der Nordsachsenliga ist unser Hauptgeschäft: Der aktuelle Tabellenplatz kann nicht unser Anspruch sein. In den Pokalspielen ist die Mannschaft besonders konzentriert, motiviert und klar im Kopf.

Also bestreitet Ihr künftig nur noch Pokalspiele?
Eigentlich müsste es fast so sein. Vor Pokalspielen herrscht ein anderer Geist in der Kabine, wird  positive Energie freigesetzt. Diejenigen, die bei den letzten Finalsiegen dabei waren, schwärmen den neuen Spielern von der besonderen Atmosphäre vor. Max Böhme verlor im Vorjahr mit Krostitz II gegen uns. Er möchte diesmal unbedingt den Pokal holen und seinen Anteil leisten. 

Im Finale wartet Wacker Dahlen. Haben Sie den Gegner schon studiert?
Nein, noch nicht. Ich weiß, dass es eine sehr unbequem zu bespielende Mannschaft ist, die sehr geschlossen auftritt und selbst nach einem ausweglos erscheinenden Rückstand nicht aufgibt. In der Rückrunde sind sie die drittbeste Mannschaft, spielen sehr solide und konstant, haben in Föllner einen überragenden Torwart.

Mit welchen Tugenden wollen Sie punkten?
Mit Routine. Wir kennen die Umstände und das Flair. Wenn das Flutlicht angeht und die Partie um 20.45 Uhr vor vielen Zuschauern angepfiffen wird, kann den Dahlenern vor Nervösität schon das Herz in die Hose rutschen. Wir wollen das Spiel schnell in den Griff bekommen, aber die Favoritenrolle lasse ich mir nicht zuschieben.

Pflegen Sie besondere Rituale vor dem Spiel?
Wir treffen uns zur gleichen Zeit wie in den Vorjahren auch, essen gemeinsam. Es wird eine gehobene und gestochene Ansprache geben. Dann nehmen die Dinge ihren Lauf.

Wir ist Ihr Stil zu beschreiben: Harter Hund oder guter Psychologe?
Sowohl als auch. Die Spieler dürfen mich duzen. Ich kann aber auch in den Trainingseinheiten die Zügel anziehen. Ansonsten bin ich während der Spiele der ruhende Pol an der Seitenlinie. Ich bin zu lange im Geschäft, weiß, was ich zu tun und zu lassen habe. Den „Hampelmann“ muss ich nicht mimen.

Warum gewinnt Ihre Mannschaft zum vierten Mal in Folge den TZ-Bärenpokal?
Weil wir uns auch den neuen Pokal neben den Vorgänger in die Vitrine stellen möchten. Mit dem Gewinn des Triples gibt es für uns keine Superlative mehr. Bei einigen Spielern geht die Fußballer-Laufbahn zu Ende: Für sie wäre es der krönende Abschluss.

Wie und wo wollen Sie den süßen Geschmack des Sieges auskosten? Sind Sie als „Feierbiest“ verschrien?
Meine Spieler sind echte Profis beim Feiern. Da fällt es mir schwer, mitzuhalten. Wir wollen im kleinen Kreis feiern, ob wir gewonnen haben oder nicht. Und am Männertag braucht mich vor Nachmittag niemand anzusprechen … 

Gespräch: H. Landschreiber

Finale um den TZ-Bärenpokal am Mittwoch, dem 24. Mai, ab 20.45 Uhr im Torgauer Hafenstadion
Karten im Haus der Presse oder an der Abendkasse