„Dankbar für die Einblicke“

Martin Klammt: „Ich fühle mich selbstbewusster, offener und toleranter.“ Foto: privat Martin Klammt: „Ich fühle mich selbstbewusster, offener und toleranter.“ Foto: privat

Torgau. Im SonntagsWochenBlatt-Gespräch verrät Martin Klammt aus Welsau, warum er Deutschland für ein Jahr verließ. Das Gespräch wurde per E-Mail „geführt“.

SWB: Kannst Du erklären, von wann bis wann Du wo warst und was Deine Motivation dafür war, Deine Heimat für ein Jahr zu verlassen?
Martin Klammt: Aufgebrochen nach Neuseeland bin ich am 27. Oktober 2014. Dort habe ich etwas mehr als zehn Monate verbracht. Zwischendurch erkundete ich zwei Wochen lang Fidschi. Derzeit bereise ich einen Monat lang Australien, auf dem Rückweg lege ich einen Stopp in Thailand ein, ehe ich am 15. Oktober in Deutschland lande. Ich wollte mithilfe dieser Reise persönlich reifen, einen Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand werfen und obendrein meine Sprachkenntnisse verbessern.

Der Ticker Deiner verbleibenden Zeit läuft unaufhaltsam: Bist Du schon auf die Rückkehr nach Deutschland eingestellt. Steigen Wehmut des Abschieds oder Vorfreude des Wiedersehens?
Tatsächlich, ja, ich freue mich riesig auf die Heimat. Es überwiegt bereits die Freude darauf, wieder deutschen Boden unter den Füßen zu spüren. Australien half dieser Tage, um auf andere Gedanken zu kommen, denn der Abschied von Neuseeland vor drei Wochen fiel reichlich schwer.

Hand aufs Herz: Schlotterten Dir die Knie, als Du Deine Familie für ein Jahr verlassen hast?
Gewaltig, aber ich möchte behaupten, dass die ersten Tage abseits des gewohnten Umfelds vermutlich aufregender für meine Familie waren als für mich selbst.

Erfahrungen und Erinnerungen wirst Du jede Menge gesammelt haben, welche möchtest Du auf keinen Fall missen?
Da denke ich im ersten Moment an die überwältigenden drei Monate, in denen ich auf einer Kuhfarm ausgeholfen habe. Vier  Uhr morgens aufstehen, mit dem Motorrad unterm Sternenhimmel 450 Kühe treiben, anschließend melken sowie Traktor fahren und beim Kalben anpacken. Viel Verantwortung für mich, der anfangs überhaupt keine Ahnung von der Materie hatte. Über den Einblick in diesen Alltag und Lebensstil bin ich sehr dankbar.

Bist Du mit all den Eindrücken im Kopf auch menschlich gereift?
Ich werde keineswegs als komplett anderer Mensch zurückkehren. Dennoch glaube ich, dass die vielen Erfahrungen meine Sicht auf allerhand Dinge in positiver Hinsicht verschoben haben. Ich fühle mich selbstbewusster, offener und toleranter.

Neuseeland besticht durch seine vielfältigen Traum-Landschaften, wie sind die Menschen dort?
Wahnsinnig freundlich. Abseits der stressigen Metropolen, die es auch in Neuseeland gibt, sind Hilfsbereitschaft sowie ein offenes Ohr noch eine Tugend, auch wenn sich letztlich nichts verändert haben wird. Das erste große Kapitel Neuseeland ist für mich persönlich abgeschlossen und ich blicke mit einem Lächeln auf die erlebnisreiche Zeit zurück.

Gab es Situationen, wo es brenzlig für Dich wurde?
Bis auf zickige 600-Kilo-Kühe, die manchmal treten. Nein, da fällt mir keine einzige ein.

Wie hast Du Kontakt in die Heimat gehalten, was hast Du am meisten vermisst?
Über die gängigen Mittel wie Facebook, WhatsApp oder Skype. Außerdem führe ich ein digitales Reisetagebuch. Vermisst habe ich natürlich die Liebsten zu Hause und deutsches Brot. Hier „unten“ gibt‘s leider nur wabbeliges Weißbrot.

Wie ist Deine Meinung zur Asyl- und Flüchtlingsproblematik in Deutschland? Du warst ja auch ein Jahr ein Fremder in einem fremden Land?
Ich bin stolz, dass Deutschland eine so weltoffene Position vertritt. Leider fehlt für diese Situation nun noch eine klare Richtung, sodass den Asylsuchenden tatsächlich auch schnell eine Perspektive geboten werden kann. Die rassistischen Ausschreitungen verärgern mich.

Was wirst Du als Erstes in Deutschland machen?
Es genießen, Familie sowie Freunde wieder um mich zu haben. Und von einem guten Stück Brot abbeißen.

Kannst Du eine Reise, wie Du sie unternommen hast, weiterempfehlen? Wie geht es in naher Zukunft bei Dir weiter?
Definitiv, jeder sollte seine Träume leben und verwirklichen. Dank einer Freistellung meines Arbeitgebers, über die ich überglücklich bin, kehre ich in Kürze wieder in den Berufsalltag zurück.

Gespräch: H. Landschreiber

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