END OF MY SUGARLAND

END OF MY SUGARLAND Foto: Privat

Candy Falle: Ein Leben ohne Zucker? Nicht vorstellbar?! NACHTFALTER wollte es wissen! Unsere Redakteurin und Zuckerpuppe Nicole S. (25) wagte das  Experiment, zuckerfrei zu leben. Wie sie auf so eine absurde Idee freiwillig kommt und wieso sie danach einen Großteil  ihrer Ernährung  komplett umgestellt hat, berichtet sie hier für Euch ausführlich.

Der Zucker – SCHOCK
Zunächst sollte ich die Frage beantworten, wie ich auf die komische Idee gekommen bin, auf Zucker zu verzichten. Gerade ich, die süße Leckereien über alles liebt und dafür gern auch mal eine herzhafte Speise weglässt, um zu sündigen.
In den letzten Jahren hat der Trend, sich gesünder zu ernähren, extrem zugenommen. Anfangs interessierte ich mich nicht dafür. Ich litt jedoch oft unter Müdigkeit, Kopfschmerzen und war trotz ausreichend Schlaf energielos. Als ich mich dann im Internet belas, stieß ich auf Foren und Artikel, in denen Leute berichteten, dass es ihnen ähnlich ging. Das Fazit meiner Recherche war, dass Geschmacksverstärker und Zucker den menschlichen Körper träge und krank machen. Da ich meinen Konsum an Produkten mit E-Stoffen (chemische Stoffe, die den Lebensmitteln zugesetzt werden, um Geschmack, Geruch und Farbe zu beeinflussen) schon längst stark eingeschränkt hatte, konnte es also nur noch am Zucker liegen. Zumal ich festhalten muss, dass ich nicht massenhaft Schokolade über den Tag verteilt aß, mir jedoch gern ein kühles Energy oder ein Glas Cola sowie das ein oder andere Stück Schoki gönnte.

Das Experiment
Am Anfang hatte ich kaum Ahnung von der Thematik, wollte jedoch gesünder leben und schaute mir den Film „Verzuckert“ mit Damon Gameau an. Ich war danach so fasziniert, dass ich mich durch Bücher weiter informierte. Danach stand schnell fest, das Experiment ZUCKERFREI an mir selbst zu testen. Zumindest für ein paar Tage. Kann ja schließlich nicht so schwer sein. Doch da lag ich vollkommen falsch. Schockiert stellte ich fest:  „Dieses weiße Zeug steckt überall drin!“ Ein halber Becher Fruchtjoghurt besteht aus 50 % Zucker. Ebenso versteckt sich in Wurst, Aufstriche, Brot, Säften sowie in  „gesunden Müsliriegeln” und Co. Unmengen an Zucker. Für mich waren das neue Erkenntnisse, schließlich ging ich davon aus, dass hauptsächlich alle Süßigkeiten und Gebäcke davon betroffen sind. Okay, aber nun endlich war ich so weit, ich nahm mir vor, die Sache mindestens für fünf Tage konsequent durchzuziehen. Auch hier ist zu betonen, dass ich „nur” auf zugesetzten Industriezucker verzichten wollte und ich so Obst weiter essen konnte. Ich selbst bin nämlich davon überzeugt, dass all das, was die Natur uns schenkt und was wir unverändert im Naturzustand lassen, nicht schädlich für unseren Körper sein kann.
Das Experiment begann. Am ersten Tag fiel es mir nicht schwer, obwohl am Abend hätte ich schon gern ein Gummibärchen oder ein Stück Schokolade genascht. Aber ich blieb eisern. Am zweiten Tag sah die ganze Angelegenheit schon anders aus. Ich fühlte mich vollkommen unterzuckert. Der Drang war so groß, dass ich mir am liebsten beim Bäcker ein Brötchen gekauft hätte und am Abend ein Toffifee aus der Packung, die noch im Schrank lag, verputzt hätte. Wenigstens eins dachte ich mir, dann wäre ich vollkommen zufrieden. Insgeheim wusste ich jedoch, dass, wenn ich eine Praline nasche, auch noch eine zweite und dann noch eine dritte haben will. (All die, die Süßes auch so gern essen, kennen dieses „Suchtgefühl“ sicher). Mein Verstand hielt sich immer vor Augen, was Zucker mit unserem Körper anstellt und so schaffte ich es, die vollen fünf Tage durchzuhalten. Ich nahm in dieser Zeit nur gesunde Kost wie Obst, Gemüse, Fleisch, Nüsse, Käse und Ei zu mir. Manchmal hatte ich einen tierischen Hunger, jedoch nur, weil es in meinem Umfeld nichts gab, was ich essen konnte. Überall versteckte sich dieser Industriezucker. Zu Hause war die Sache schon einfacher, schließlich hatte ich meinen Kühlschrank mit denen mir NICHT-verbotenen-Lebensmittel eingedeckt. Wenn ich dann aß, war ich kurz darauf vollkommen gesättigt. Gut, neben dem vielen Gemüse war in meinen zubereiteten Speisen ausreichend Butter enthalten und auch fetthaltiges Fleisch kam nicht zu kurz. Von den zuckerfreien Produkten konnte ich schließlich so viel essen, wie ich wollte.
Mein Appetit jedoch schrie auch am fünften Tag noch nach Süßem. Aber ich muss zugeben, das Verlangen wurde schwächer. Stolz, mein Ziel an Tag fünf erreicht zu haben, machte ich weiter, denn auch meine Waage zeigte mir verlorene Pfunde an und außerdem ging es mir sonst super. Die Motivation war also mehr denn je. Ich wurde von Tag zu Tag stolzer, es wieder einen neuen Tag geschafft zu haben. Meine Mitmenschen aßen neben mir Kuchen, Schokolade und leckere Teigwaren wie Pizza.  Gern hätte ich einen Bissen davon genommen, da ich genau wusste, wie die Köstlichkeiten schmecken, in denen Zucker steckt. An Tag zehn angekommen, beschloss ich, das Experiment zu beenden. Ich gönnte mir wieder ein einfaches Brötchen, Schokoladenkekse und die über alles geliebte Cola.
Und es war gar nicht mehr so toll, wie ich es in Erinnerung hatte.
Mein Fazit ist, dass es echt schwierig ist, komplett auf Zucker zu verzichten, es jedoch dem Körper mehr als guttut und man sich voller Energie fühlt. Vier Monate nach dem Experiment achte ich immer noch sehr auf den Zuckergehalt der Lebensmittel und entscheide mich oft für die zuckerarme oder zuckerfreie Variante. Falls jetzt einige unter Euch denken, dass Produkte, die mit anderen Süßungsmitteln gesüßt sind oder Light-Produkte aller Art in Ordnung sind, da diese keinen Zucker und keine Kilokalorien enthalten, muss ich Euch enttäuschen, diese Chemiebomben habe ich schon längst von meinem Speiseplan gestrichen!
Außerdem esse ich seitdem kaum Weißmehlprodukte und bevorzuge 100 % Dinkel oder Vollkornpro-dukte sowie Schokolode mit mind. 80% Kakaoanteil. Meine Essgewohnheiten haben sich wirklich sehr zum Positiven geändert. Jedoch bin ich auch nur ein Mensch und freue mich weiterhin auf ein leckeres Stückchen Kuchen, über eine Pralinenschachtel zum Geburtstag sowie über einen leckeren Cocktail, wenn ich mit Freunden ausgehe.

Mein Tipp: Genieße all die süßen Leckereien in Maßen und zu besonderen Anlässen.

Für alle Zuckerjunkies unter Euch:
Ein Stück Zucker wiegt ca. 4 Gramm. Wenn Ihr also ein Produkt aus dem Discounter esst, könnt Ihr auf der Nährwerttabelle auf der Rückseite sehen, wieviel Gramm Zucker insgesamt enthalten sind. Nun teilt Ihr diese Grammzahl durch vier und schon könnt Ihr Euch vor Augen führen, wie viel Stücken Zucker Ihr gerade zu Euch nehmt.
Beispiel: Ein Becher Joghurt enthält pro 100 Gramm 13 Gramm Zucker, der gesamte Becher mit 330 g enthält also knappe 44 Gramm Zucker. Teilt man die 44 Gramm durch 4 sind das 11 Stücken Zucker, die man nur mit diesem Becher zu sich nimmt.

Nicole Steeg