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„Hegen und pflegen“
H. Thomas über Preußen, Parkuhren und den Luxus von Torgau

Harald Thomas (FDP): „Die Parkplätze per Dienstanweisung zugewiesen.” Foto: SWB/eb
Belgern (SWB). Belgerns Bürgermeister Harald Thomas (FDP) sagt im SonntagsWochenBlatt-Gespräch, warum er noch nicht Belgerns Wunschpartner für eine Gemeindefusion gefunden hat.
SWB: Herr Thomas, haben Sie schon einen Antrag für die Aufnahme Belgerns in die kommunale Obhut der Stadt Torgau geschrieben?
Nein. Ich werde das in meiner Amtszeit auch nicht mehr tun. Ich habe nicht das Gefühl, dass irgendwer in Belgern so etwas will. Bislang wurde von keinem Stadtrat, keinem Verein und keinem Unternehmer in keinem Ortsteil das Thema zur Sprache gebracht.
Andere haben es getan: Pflückuff kam unter den Torgauer Rettungsschirm, Zinna wohl auch, nur die Schildauer wurden wieder nach Hause geschickt, vorerst.
Es geht nicht um einen Rettungsschirm für die genannten Gemeinden. Torgau braucht die Einwohner, richtiger gesagt, die Steuerzahler, um seinen Luxushaushalt finanzieren zu können. „Torgauer Luxus” kommt nicht von mir, die Bezeichnung wurde von der Landesdirektion benutzt, um Torgaus Wachstumsbestrebungen zu chrakterisieren. Aber lassen Sie uns lieber von Belgern reden, Torgau muss seine Probleme alleine lösen.
Belgerns Problem könnte langfristig sein, zu wenig Einwohner für die Eigenständigkeit vorweisen zu können.
Ich gestehe, einige Ortsteile von Pflückuff wären in Belgern sehr gut aufgehoben gewesen. Und die Nachbarn in Cavertitz meinen: „Mir sein die Sachsen und ihr in Belgern seid die Preißen. Mit euch wollen wir nicht.” Mit Arzberg gab es bislang nur ein Abtasten. Also ist aus meiner Sicht für Belgern in nächster Zeit keine Gemeindefusion in Sicht.
Damit auch keine Hochzeitsprämie und Belgern muss weiterhin mit sich selbst zurechtkommen.
Das konnten wir doch bislang ganz gut: Einige Industriebetriebe angesiedelt, vorzeigbare Landwirtschaftsunternehmen, florierendes Handwerk und vielfältiges Gewerbe. Wir waren die erste Stadt im Regierungsbezirk, die den Titel „Staatlich anerkannter Erhohlungsort” errang. 40 Vereine sorgen für ein reiches gesellschaftliches Leben, darunter gleich vier sehr aktive Musikvereine. Wir feiern übrigens in diesen Jahr „10 Jahre Stadthalle”.
Haben Sie als erster Mann der Stadt ein Geheimnis, wie Sie die Vereinsarbeit lenken und leiten?
Ich lenke und leite nicht, ich räume nur den Vereinen, soweit mir das möglich ist, den Weg frei, dass diese ihre Ideen umsetzen können. Gehen Sie mal Freitagabend oder am Sonnabend durch die Orte. Da sind in den Kneipen schon lange die Lichter aus, in den Vereinsheimen blitzt und funkelt’s jedoch immer noch Licht durch die Scheiben.
Wirklich keine Probleme mit der Vereinsarbeit?
Fragen Sie doch selbst nach. Ihnen wird’s wohl dann sicher nicht anders ergehen wie vor einiger Zeit dem Chefredakteur der Torgauer Zeitung, der die Belgeraner Vereine zum Rundtischgespräch geladen hatte und dort die Frage nach ihren Sorgen und Problemen stellte. Die gibt es nicht, lautet die einhellige Antwort aus den Vereinen.
Noch mal zurück zu Industrie und Gewerbe. Wie stehen Belgerns Chancen für Neuansiedlungen?
Wir machen uns nichts vor, die Zeit der spektakulären Neuansiedlungen ist vorbei.
Klinkt pessimistisch oder doch eher realistisch?
Ich nehm’s optimistisch. Wir hegen und pflegen unsere Unternehmen, ob klein oder groß, sie sind Arbeitgeber und zunehmend in den letzten Jahren wichtige Steuerzahler. Es gehen jedoch immer noch Anfragen von potenziellen Investoren ein, doch nach der Antwort auf die Frage zur nächsten Autobahnauffahrt lässt das Interesse an Belgern schnell nach.
Dann müssten Sie ja an der Seite von Torgau für den vierspurigen Ausbau der B 87 kämpfen?
Das tun wir. Wir mischen kräftig mit, wenn wir gerufen werden. Was für wundersame Sachen manchmal möglich sind, sieht man am Beispiel der Mühlberger Brücke: Nicht von allen als vernünftig erachtet, aber von den richtigen Leuten an den richtigen Stellen gefördert.
Den angekündigten durchgreifenden wirtschaftlichen Aufschwung hat die Brücke augenscheinlich Ihren Nachbarn in Mühlberg nicht gebracht.
Da fragen Sie lieber selber in Mühlberg nach. Uns Belgeraner bringt die Brücke sehr offentsichtlich mehr Brandenburger Autokennzeichen in die Stadt als umgekehrt.
Stichwort Auto und Stadt. Ich parke auf Ihrem Markt kostenlos oder habe ich den Parkautomaten übersehen?
Haben Sie nicht. In unserem innerstädtischen Verkehrskonzept gab es von Anfang an keine Parkautomaten. Wir setzen auf kostenloses Kurzparken. Die Leute wollen ihren Einkauf schnell erledigen. Sie haben sicherlich bemerkt, dass in Belgern rechts vor links gilt.
... und Blechschäden gehören in Belgern zur Tagesordnung.
Nichts davon. Man fährt bewusst aufmerksam und rücksichtsvoll durch die Stadt und hat sogar noch Zeit, seine Nachbarn zu grüßen.
Ihren Marktplatz halten Sie wie Torgau von Autos frei?
Nur den mittleren Teil, vor allem für den Wochenmarkt. Rundherum gibt es genügen Kurzzeitparkplätze. Bei größeren Veranstaltungen erkläre ich den Markt zeitweise zum Parkplatz. Keine Probleme! Unsere Gäste sind dankbar für kurze Wege.
Andernorts klagt man über Langzeitparker, die die Parkplätze blockieren.
Bei uns blockieren, für mich unverständlicherweise, ebenso einige Ladenbesitzer mit eigenen Autos die Plätze, die für ihre Kunden gedacht sind.
Und wie halten’s Ihre Mitarbeiter?
Meine 15 Leute müssen die letzten Meter zu Fuß zum Rathaus gehen. Ihnen habe ich, per Dienstanweisung, Parkplätze außerhalb der Innenstadt zugewiesen.
Gespräch: E. Baumbach
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